Rede selbst, das Recht-Behalten und Glänzen. Deshalb ist die Idee, von der die Sophisten geleitet sind, die παιδεία, ein gewisses Erzogensein hinsichtlich des Sprechens über alle Dinge. Diese παιδεία hat formalen Charakter, im Sinne des über alles gut, εΰ, sprechen Könnens. Auch Aristoteles kennt dieses Ideal des Erzogenseins im Sinne des wissenschaftlichen Ausgebildetseins, auch bei ihm hat es in gewisser Hinsicht eine formale Bedeutung: die παιδεία ist nicht auf ein bestimmtes Sachgebiet eingegrenzt. Aber bei Aristoteles besagt παιδεία das Erzogensein im Hinblick auf die Möglichkeit, jeweils an die Sache, von der gesprochen wird, sich anzumessen, also gerade das Gegenteil dessen, was bei den Sophisten παιδεία besagt, das Erzogensein im Sinne einer grundsätzlichen und durchgehenden Sachunbekümmertheit, bei Aristoteles das Erzogensein, von der Sache jeweih angemessen zu sprechen. Sofern es der Sachen regional viele gibt, kann diese παιδεία nicht einfach inhaltlich charakterisiert werden, sondern sie betrifft eine bestimmte Art der Ausbildung, die methodische Ausbildung des wissenschaftlichen Niveaus hinsichtlich des Fragens und Vorbereitens von Untersuchungen. Die Sophistik ist durch diese Abgrenzung zugleich in den Zusammenhang gebracht, durch den die Philosophie selbst bestimmt ist, den des ἀληθεύειν, des Aufdeckens des Seienden.
Ich werde nicht auf die geschichtlichen Bedingungen und eine geschichtliche Charakteristik der Sophistik eingehen. Dazu ist Diels, »Fragmente der Vorsokratiker II«, zu vergleichen. Der Hauptbestand der eigentlichen Quellen ist aus Plato selbst entnommen. Deshalb ist die Diskussion über den geschichtlichen Stand der Sophistik bei der Voreingenommenheit Platos gegen sie mit gewissen Schwierigkeiten verbunden. Unsere Betrachtung geht nach einer anderen Richtung, nicht auf die Sophistik in ihrer Kulturbedeutung, sondern darauf, aus der Idee des Sophisten selbst das zu verstehen, womit er sich als Sophist abgibt: den Schein, das Falsche, das Nicht und die Negation