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Vorbemerkungen zur Interpretation des »Sophistes«

Ihnen klarzumachen, sich gefaßt machen auf eine wirkliche Auseinandersetzung mit den Dingen, über die gehandelt wird.


§ 34. Wiederholung Erste Charakteristik der Sophistik. Λbgrenzung der Sophistik gegen Dialektik und Philosophie. Die Schätzung des εὖ λέγειν: Un-sachlichkeit - Sachlichkeit


Für das Verständnis des Dialogs müssen wir den Sinn des Sophisten in Abgrenzung gegen Dialektik und Philosophie fest­halten. Die I Sophistik) ist charakterisiert durch die Un-Sachlichkeit, aber Unsachlichkeit doch in einem ganz be­stimmten Sinne, nicht eine zufällige, beliebige, gelegentliche, sondern eine grundsätzliche Unsachlichkeit, die aber nicht so verstanden werden darf, als wäre in den Sophisten lebendig eine Gesinnung des grundsätzlichen Verdrehen- und Verdeckenwollens der Sachen, als wollten sie nur täuschen, sondern eine Unsachlichkeit, die wir besser bestimmen, wenn wir sagen: Sachlosigkeit, also eine Unsachlichkeit, die in einem Positiven gegründet ist: in einer bestimmten Schätzung der Herrschaft der Rede und des redenden Menschen. Das gesprochene Wort in seiner Herrschaft bei den Einzelnen sowohl wiejin der Gemeinschaft, ist das, was für den Sophisten das Entscheidende ausmacht. Sofern nun dieses Sichversteifen auf das Wort und auf das schon und durchschlagend gesprochene Wort die Verpflichtung bedeutet, als Sprechen immer über etwas zu sprechen, ist das Interesse am Sprechen selbst, von sich aus, schon allein dadurch, daß es lediglich den Akzent auf das Formale der Rede und Argumentation legt, unsachlich. Sofern nun jede Rede über etwas geht und sofern der Sophist spricht, muß er über etwas sprechen, mag ihn die Sache interessieren oder nicht. Aber gerade dadurch, daß sie ihn nicht interessiert - so­fern er nicht der Sache verhaftet ist, über die er spricht - wird er dadurch, daß er den Sinn lediglich in das schöne Reden legt,


Martin Heidegger (GA 19) Platon Sophistes p. 323