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§ 53. Die Begründung der Rhetorik

Gelenke sichtbar werden, d.h. die jeweiligen Abkunftszusammenhänge der Bestimmtheiten der Sachen untereinander, so daß bei dieser Freilegung des ganzen Organismus im Zusammenhang seiner Gelenke zugleich die ganze seinsmäßige Herkunft des Vorliegenden sichtbar wird.

Das sind die beiden Leistungen, die von denen gefordert werden, die Plato nennt διαλεκτικοί, τούς δυναμένους αυτό δραν [...] καλώ [...] διαλεκτικούς (266b8 sqq). Sokrates sagt nun selbst: τούτων δή έγωγε αυτός τε έραοτής, τών διαιρέσεων καί συναγωγών (vgl. 266b3 sq). »Ich bin ein Freund von diesen beiden Verfahrensweisen, der διαίρεσις und der συναγωγή«. Und ein solcher, der diesen beiden Verfahrensweisen des διαλέγεσθαι genügt, der ist δυνατός είς £v καί έπϊ πολλά πεφυκόθ' όράν (vgl. b5 sq), der ist imstande hinzusehen 1. auf das Eine in der διαγωγή, wo er die Direktion nimmt für das διατέμνειν, und 2. im διατέμνειν όράν έπϊ πολλά. Beide Male handelt es sich also primär und wesentlich um das Sehen der Sachen.

Im ersten Teil des Dialogs - 249b - kommt Plato schon andeutungsweise auf dieses dialektische Verfahren zu sprechen und berührt da ein Moment, das die erste Verfahrensweise des Dialektischen, die συναγωγή, deutlicher macht, δεΐ γάρ άνθρωπον συνυίναι κατ' είδος λεγόμενον, έκ πολλών Ιόν αίσθήσεων είς έν λογισμώ συναιρούμενον" τούτο δ' έστιν άνάμνησις εκείνων ά ποτ' είδεν ημών ή ψυχή συμπορευθεϊσα θεώ και ύπεριδοΰσα δ νΰν είναί Φαμεν, καί άνακύψασα είς τό δν δντως. [...] πρός γάρ έκείνοις άεί έστιν μνήμη κατά δύναμιν, πρός οίσπερ θεός ών θεΐός έστιν (249b8 sqq). Die συναγωγή, das Heraussehen der Idee, ist eine άνάμνησις, ein Wiedersehen eines zuvor schon einmal Gesehenen. Sie ist also nicht ein Heraus-Präparieren und Konstruieren eines bestimmten Sachzusammenhanges aus Vereinzelungen, sondern die μία Ιδέα ist schon als solche ihrem Sachgehalt nach da, nur nicht ohne weiteres zugänglich. Zugänglich wird sie nur dem, der die Möglichkeit zur άνάμνησις, d.h. die echte μνήμη hat, das echte Behalten dessen, was er schon einmal gesehen hat. Das besagt, die συναγωγή ist nur demjenigen möglich, der


Martin Heidegger (GA 19) Platon Sophistes p. 323