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§ 6. Die kategoriale Anschauung


Die Akte der Hebung und Gebung des Verhaltes sind kein Neben- und Nacheinander, sondern sind einheitlich in der Einheit des Meinens der Sachverhaltsbeziehung als solcher. Sie sind eine ursprüngliche Akteinheit, die als übergreifende die neue Gegenständlichkeit, genauer: das Seiende in dieser neuen Gegenständlichkeit zur Gegebenheit — primär vermeint und als solche gegenwärtig — bringt. Die neue Gegenständlichkeit, der Sachverhalt, kennzeichnet sich als eine bestimmte Beziehung, dessen Beziehungsglieder das in ihnen Gegliederte im Charakter des Subjekts und des Prädikates geben.

Der Akt des Beziehern, in dem die Sache im Wie eines nun so fundierten Sachverhaltes präsent wird, kann gemäß der Doppelbestimmung der Hinsichtnahmen auf Ganzes, bzw. Teil sowohl als Synthesis wie als Dihairesis verstanden werden. Dies hat schon Aristoteles gesehen. Der Sinn dieser Akte muß nur richtig verstanden werden. Bei der Synthesis handelt es sich nicht so sehr um das Verknüpfen zweier zunächst getrennter Teile, wie wir zwei Dinge zusammenleimen und verschmelzen, sondern σύνθεσις und διαίρεσις sind intentional zu verstehen, d, h. der Sinn ist ein Gegenstand gebender. Synthesis ist nicht ein Verknüpfen von Gegenständen, sondern σόνθεσις und διαίρεσις geben Gegenstände. Das Entscheidende ist, daß in dieser Synthesis sich das q als zugehörig zu S, die schlichte Ganzheit des S sich explizit zeigt. So wird deutlich, daß die Hebung und Präsentierung des Sachverhalts im Ganzen nur auf dem Grunde der vorgegebenen Sache möglich ist, und zwar so geschieht, daß im Sachverhalt diese und nur diese sich explizit zeigt. Der fundierte Akt des Beziehens gibt etwas, was durch schlichtes Wahrnehmen als solches nie faßbar wird.

Weiter ist zu beachten, daß der herausgehobene Sachverhalt selbst nicht realer Teil der Sache ist, sondern kategoriale Form. Der nicht reale, kategoriale Charakter der bestimmten Beziehung »Sachverhalt* wird dadurch am deutlichsten, daß wir uns ein explizierendes Aussagen vergegenwärtigen, in dem selbst eine reale Beziehung thematisch ausgesagt wird. Das gibt uns

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