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Das Wahrheitsproblem bei Aristoteles

Entdeckung hat mehrere wesenhafte »Seiten«. Das Verständnis wird aber darauf zielen müssen, das ursprüngliche Ganze zu sehen, aus dem und für das diese nur äußerlich so zu nennenden »Seiten« sind, was sie sind.3

Synthesis ist orientiert auf das Verhalten und das Worüber der Aussage des Entdeckens gemäß der Struktur der Wahrheit selbst. Die Frage ist, wie aus ihr, der Synthesis, bei Aristoteles Falschheit und Wahrheit verständlich wird und was für uns aus dem Wahrheitsbegriff der Griechen Grundsätzlicheres als aus dem der Tradition zu entnehmen ist, wie weit wir aus dieser Erweiterung verstehen, nicht nur daß, sondern warum Wahrheit als Anschauungswahrheit gefaßt werden muß.

Die Wege, auf denen ein Verständnis des Begriffes von Wahrheit und Falschheit bei Aristoteles und bei den Griechen überhaupt zu gewinnen ist, können verschieden sein. Wir wollen einen solchen wählen, der uns einer breit angelegten Interpretation enthebt, aber doch sofort auf die grundsätzliche Frage nach der Verfassung von Wahrheit und Falschheit und Wahrheit überhaupt führt, so daß deutlich wird, wie darin Synthesis so etwas wie das Gerüst und Leitfaden der begrifflichen Fassung ausmacht. Zugleich soll die Betrachtimg eine Erörterung treffen, die für die Geschichte des Wahrheitsproblems und der Logik von ausschlaggebender Bedeutung wurde (und zwar mehr unausdrücklich).

b) Wahrheit und Sein.
Interpretation von Metaphysik Θ 10

Um den genannten Zwecken und Rücksichten zu genügen, ist Met. Θ 10 als Grundlage der Interpretation des Wahrheitsproblems gewählt. Von diesem Kernstück aus muß das Wahrheitsproblem aufgerollt werden, sowohl geschichtlich rückwärts

3 »Seiten« am Phänomen der Entdeckung. Vgl. dazu ὄν ώς άληθές ἕν διανοίᾳ.

GA 21