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§ 13. Möglichkeit des λόγθς falsch zu sein


zu Parmenides als vorwärts zu Stoa, Boëthius, Mittelalter und zu Descartes und der neueren Philosophie bis zu Hegel.

Wir beschränken uns auf die leitenden Fragen; die erste: inwiefern Synthesis die Bedingung der Möglichkeit von Falschheit und Wahrheit ist. Im Verfolg dieser Erörterung werden wir den früher versprochenen Aufschluß erhalten darüber, inwiefern die Wahrheitsfrage primär am Erkennen als Anschauen orientiert ist bei den Griechen, was alle Folgezeit bestimmt. Ferner wird sich in einem konkreteren Sinne als bisher erweisen die Verklammerung des Wahrheitsproblems mit der Frage nach dem Sein.

Met. Θ 10 ist das Schlußkapitel eines Buches (Abhandlung), das zu den schwierigsten der unter dem Titel »Metaphysik« gesammelten Abhandlungen gehört. Diese Abhandlung Θ (9) selbst gehört mit den beiden vorangehenden Z, H (7 und 8) zusammen, so daß in Θ 10, wo von Wahrheit schlechthin und Wahrheit und Falschheit gehandelt ist, gleichsam die höchste Spitze der ontologischen Fundamentalbetrachtungen erreicht wird. So etwas scheint aber der traditionellen Philosophie als widersinnig und unmöglich. Denn Wahrheit ist doch ein Charakter des Urteilens und Denkens; ἔν διανοίᾳ, wie Aristoteles sogar doch selbst sagt, also gerade keine Bestimmung des Seins des Seienden und in keinem Falle doch gar die »allereigentlichste«; daher die Verlegenheit und Unsicherheit und das Schwanken in der Frage der Zugehörigkeit dieses Kapitels gerade zu dieser Abhandlung der »Metaphysik«.

W. Jaeger hat in seiner ersten Schrift »Studien zur Entstehungsgeschichte der Metaphysik des Aristoteles«, 1912, bezüglich des literarischen Charakters der Abhandlung die letzten Konsequenzen aus der Vorarbeit von H. Bonitz und anderen gezogen und eindringlich gezeigt, daß hier einzelne Abhandlungen, Vorlesungsstücke, Vorlesungseinleitungen zusammengefaßt sind, die alle die Ontologie betreffen, aber inhaltlich und methodisch nicht ohne weiteres zusammengehören. Jaeger betont die Zusammengehörigkeit von Z, H, Θ und diese drei


Martin Heidegger (GA 21) Logik Die frage nach der Wahrheit

GA 21