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Was ist Wahrheit?

dann sonstwo, sofern es sich um eine Täuschung über die Weltdinge und Welterkenntnisse handelt. Das darf nicht so verstanden werden, als müßte ausdrücklich — vor Eintritt der Täuschung — ein solches Begegnenlassen vollzogen werden, sondern, sofern ich, mich täuschend, in eine Täuschung falle, heißt das, daß ich zunächst und immer schon bei etwas Weltlichem bin. Nicht nur bezüglich der Täuschung, die auf diesem Grunde möglich wird, sondern dieser Grund, dies, daß ich immer schon bei etwas Weltlichem bin, dieses Sein zu und bei einer Welt gehört zu meinem Dasein selbst. Es ist weder jeweils erst nötig, mich allererst in ein solches Begegnenlassen zu bringen, noch ist es überhaupt möglich, weil ich schon, sofern ich überhaupt bin, zu einer Welt und zu meiner Welt selbst einen Seinsbezug habe, und dieser Seinsbezug selbst zur Seinsbestimmung meines » ich bin« gehört. Sofern das Daseins sein Da »ist«, ist es in einer Welt ; das Sein — im Terminus Dasein — besagt u.a., nicht einzig, in der Welt sein. Man ist also ganz falsch beraten worden, wenn man meint: Philosophische Aussagen handeln vom Menschen und seinem Verhältnis zur Welt; es wäre ein von Grund aus verkehrter Ansatz, wollte man diese phänomenologische Sachlage so verstehen, als sei der Mensch zunächst ein Seiendes für sich, das dann auch noch überdies ein Verhältnis zur Welt habe. Das In-der-Welt-sein — in einem freilich näher zu bestimmenden Sinne —»ist« schon der Mensch selbst.

Dieses Begegnenlassen und Je-schon-haben der Welt stellt sich nicht zuweilen im Dasein erst ein, um dann wieder zu verschwinden, sondern jeder Seinsmöglichkeit des Daseins als einer Daseinsmöglichkeit liegt das Schon-sein bei einer Welt zum Grunde. Dieses Schon-sein bei der Welt gabelt, verzweigt, zerstreut und zersplittert sich in eine Mannigfaltigkeit von Modi des Zutunhabens mit dem Vorhandenen: sich richten nach ihm, ihm Rechnung tragen, es nutzen, gebrauchen, gestalten, umschaffen und vermehren und dergleichen mehr. Auch Berechnen und Erkennen der Welt ist ein Modus dieses Zutunhabens mit der Welt; es bleibt zumeist eingeschmolzen in einem nicht

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