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Was ist Wahrheit?

dagegen: das nicht mehr vorhandene Jetzt, das gewesene, die Nichtmehranwesenheit eines möglichen Vorhandenen.

Der Ausdruck Vorweg zeigt das Gewärtigen an, das Sein-bei das Gegenwärtigen und Behalten. Und das Schon? Das ist eine temporale Bestimmung, die jeder Zeit und Seinsfaktizität des Daseins zukommt. Das Schon ist die Indikation des Apriori der Faktizität. Das will besagen: Die Strukturen des Daseins, die Zeitlichkeit selbst, sind nicht so etwas wie ein ständig verfügbares Gerüst für ein mögliches Vorhandenes, sondern sie sind ihrem eigensten Sinn nach Möglichkeiten des Daseins zu sein, und nur das. Zu diesem Seinkönnen aber hat sich jedes Dasein, das eben als Dasein ist, je schon so oder so entschieden; ob von ihm selbst her, d. h. eigentlich, ob durch ein Verzichten auf solche Möglichkeit, ob durch ein Nochnichtgewachsensein einer solchen Entscheidung - Dasein ist ihm selbst überantwortet in seinem Zu-sein. Über antwortet — das heißt: Schon-in, schon sich vorweg, schon bei der Welt; nie ein Vorhandenes, sondern immer schon so oder so entschiedene Möglichkeit. Das Dasein ist je schon früher das, als was es de facto jeweils ist. Früher aber denn j edes mögliche Früher ist die Zeit selbst, die es macht, daß Dasein so etwas wie Möglichkeit seiner selbst sein kann.

Aussagen: ansprechendes Sehenlassen von etwas als etwas ist eine bestimmte Möglichkeit des reinen Gegenwärtigens das Anwesendseinlassen des Seienden, also das Entdecken der Anwesenheit eines Vorhandenen; das ist die Grundfunktion des λόγος als άποφαίνεσθαι. Die Anwesenheit des Vorhandenen, die nur entdeckbar ist in einer Gegenwart, besagt aber nichts anderes als das Sein des Seienden. Jedes entdeckende, d. h. gegenwärtigende Aussagen sagt daher »ist«; ob dieses Ist sich sprachlich ausdrückt oder nicht, und wie es sich ausdrückt ist gleichgültig. Das Ist hat nicht die Funktion der Kopula, sondern ist der Index der Grundfunktion der Aussage, ihres Gegenwärtigens als eines reinen Gegenwärtigens, puren Sehenlassens der Anwesenheit des Seienden bzw. des Seienden in seiner Anwesenheit. Die ausgesprochene Aussage verwahrt in sich die Ent-

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