§ 16. Anaximander


Geboren etwa 611. Theophrast ist Hauptquelle.

Wie1 kann das, was ursprünglich ist, allen Seienden zugrunde liegt, selbst eines von diesen Seienden sein?

1. Weder ein Bestimmtes, Dieses; unbestimmt in dieser Hinsicht, 2. was selbst nicht im Streit liegt, Gegensatz, 3. noch begrenzt; vielmehr unerschöpflich. φύσις.

Das Unbestimmte2, dessen Wesen also die Unbestimmtheit ist, kann nicht näher bestimmt werden als durch die Charakteristik der Unbestimmtheit. Grund für Ansetzung des ἄπειρον: τῷ οὕτως ἃν μόνον μὴ ὑπολείπειν γένεσιν καί φθοράν, εἰ ἄπειρον εἴη ὅθεν ἀφαιρεῖται τὸ γιγνόμενον.3

Gegensätze: warm — kalt, trocken — feucht, Wärme im Sommer — Kälte im Winter. Ungerechtigkeit — Gleichgewicht, etwas vor beiden.

Rings um unsere Welt: κόσμοι4 κατὰ πᾶσαν περίστασιν (πρόσω, ὀπίσω, ἄνω, κάτω, δεξιά, ἀπιστερά5), unzählbare »Welten«, gleichzeitig. Das Unbegrenzte außerhalb dieser Welt »Umschließt« alle Welten. Die Welten sind »Götter«6. Die Philosophen weichen im Sprachgebrauch ab: nicht Gegenstand der Anbetung und dergleichen, sondern das eigentliche Seiende. Aristophanes in den Νεφέλαι: Die Philosophen sind ἄθεοι7. Ursprungslehre der Himmelskörper, Erde, Mond und Tiere.

[Zu ἄπειρον:]8 Nicht sinnliches bestimmtes Seiendes, sondern unsinnliches Unbestimmtes, aber auch ein Seiendes.


1 S. Anhang, Nachschrift Mörchen Nr. 22, S. 228 f.

2 Vgl. Aristoteles, Phys. Γ 5, 204 b 22 sqq.

3 Phys Γ 4, 20.3 b 18 sqq.

4 Phys Γ 4, 203 b 26.

5 Vgl. Phys. Γ 5, 205 b 32 sqq.

6 Vgl. Phys. Γ 4, 203 b 13.

7 Vgl. Aristophanis Comoediae. Rec. F. W. Hall, W. M. Geldart. Vol. 1, 2. Aufl., Oxford 1906 f. (i. w. zit.: Aristophanis Comoediae), Vss. 367, 423, 1241, 1477, 1509.

8 Erg. d. Hg.

GA 22