der Unwahrheit. Nichts, was lediglich seitab liegt, dahin man sich gelegentlich verirrt, sondern das Dasein ist schon auf ihm, sofern es überhaupt unterwegs ist.
κρίνειν λόγῳ (vgl. Frgm. 7, V. 5), »unterscheiden und entscheiden in und aus der Besinnung« darauf, was beide Möglichkeiten sind. Dann bleibt dir nur die Entschlossenheit zu einem Weg. Freiheit für die Sachen und nicht das Gerede. Wissenschaft ist nicht beliebig, von Einfällen entworfen, sondern aus der Besinnung die Wahl; das nur im Begreifen, λόγος.10
§ 22. Interpretation des Lehrgedichts des Parmenides
a) Der erste Teil des Lehrgedichts: der Weg der Wahrheit
Welches ist die Haltung und Einstellung des Weges der Wahrheit, die Weise der Forschung und was zeigt sich? λεῦσσε [...] νόῳ (Frgm. 2 <4>, V. 1 ), »sieh mit Vernunft«, frage, wie das Seiende an ihm selbst ist, und halte dich nicht an das, was darüber gesagt wird!
ὅμως ἀπεόντα λεῦσσε παρεόντα βεβαίως, »Was gleichwohl abwesend ist, sieh es mit sicherem Blick als anwesend in seiner Anwesenheit, denn nicht wird dieser Blick das Seiende aus seinem Zusammenhang lösen« (vgl. ebd. V. 1 sq.)1. Er sieht kein vereinzeltes Seiendes, das als dieses nicht jenes ist, sondern nur das Eine Sein selbst. Dieser Blick verhüllt nicht die Wirklichkeit. Er sieht das, was jedes Seiende ist, hat das Sein gegenwärtig, mag das Seiende abwesend und fern sein oder nicht.
ὄν ist ξυνόν (Frgm. 3 <5>, V. 1), das Seiende ist »zusammenseiend«, ἔχεσθαι (Frgm. 2 <4>, V. 2), συνεχές, (Frg. 8, V. 6). Alles Seiende ist als Seiendes das Eine, Ganze, es ist Sein. Einheit und Ganzheit des Seins, »Gegensatz-losigkeit«. Anwesenheit des Seienden,
10 Vgl. 1. Vorlesung, s. oben S. 4.
1 S. Anhang, Nachschrift Mörchen Nr. 28, S. 234 f.