EINLEITUNG
Anzeige der Vorlesung.
Philosophie als phänomenologische Ontologie
§ I. Anzeige dieser Vorlesung
Wie man diese Vorlesung über »neuere Philosophie« anzuzeigen pflegt: von Descartes bis Kant.
Descartes: neues Prinzip — das Ich, Subjekt, Bewußtsein, Vernunft. Ausrichtung des Ansatzes bis zu Hegel — Geist. In der Schule Hegels (J. E. Erdmann'): Freie Selbstberufung des Menschen auf sich selbst. Abschuttelung jeglicher Bindung. Daher hat man gesagt: Die neuere Philosophie seit Descartes ist der Protestantismus des denkenden Geistes.2
Unsere Ankündigung: von Thomas von Aquin ... nicht, um einige Jahrhunderte äußerlich anzugliedern; nicht, um dem vernachlässigten Mittelalter die schuldige Beachtung zu schenken oder gar dem Katholizismus des denkenden Geistes in der mittelalterlichen Scholastik — d.h. nicht nur ihre Gebundenheit an die große Tradition der antiken Philosophie, sondern ihre kraftige Verwurzelung in dieser.
In der Tat werden wir in dieser Richtung zu verstehen suchen. Nur ist ausdrucklich zu sagen, daß man gut daran tut, weder von Protestantismus noch Katholizismus zu reden, weil diese Philosophie mit beiden als Ausprägung der christlichen Religion nichts zu tun hat, sondern: Uberzeugung, daß die fundamentalen Probleme des Ich ... und die Problematik der neueren Philosophie
1 [Joh. Eduard Erdmann: Grundriß der Geschichte der Philosophie. Erster Band: Philosophie des Alterthums und des Mittelalters. Dritte, verbesserte Auflage. Berlin 1878. Zweiter und letzter Rand: I'hilosophie der Neuzeit. Dritte, vermehrte Auflage. Berlin 1878.] [S. Anhang, Beilage 1.]
2 [S. Anhang, Beilage 2.]