Sein des betreffenden Seienden und noch weniger das Sein überhaupt und seine Möglichkeiten — nicht Thema.2
b) Die ontisch gerichteten positiven Wissenschaften und die Philosophie als kritische Wissenschaft vorn Sein
Warum nennen wir Wissenschaft vorn Sein kritische Wissenschaft?3 Kritisch, κρίνειν, scheiden, unterscheiden. Das im Unterschied Unterschiedene, durch das Unterscheiden zu Gewinnende, selbst zum Thema machen. Allgemein formal: Urteilen und Beurteilen.
1. Aber das κρίνειν im Sinne von urteilen: Objekte und ihre Eigenschaften und Beziehungen unterscheiden und aus dem Unterschied bestimmen; gehört zu jeder Wissenschaft. Seiendes kann in der positiven Wissenschaft doch nur so bestimmt werden. Also diese auch kritisch. Keine Auszeichnung der Philosophie als Wissenschaft vorn Sein. Wenn Philosophie Wissenschaft vom Sein, dann doch auch ihr Thema, und das muß ihr doch auch vorgegeben sein, doch nicht willkürliche subjektive Erfindung.
Jede Wissenschaft, auch positive, kritisch. Jede kritische Wissenschaft ist »positiv«4. Aber positive [Wissenschaften handeln] vorn Seienden. Aber das Sein ist gerade nichts Seiendes. Wirklich? Der ausgesprochene Satz scheint sich selbst zu widerlegen. Sein nichts Seiendes; Sein ist etwas. Wenn ich sage, es ist, das doch Seiendes. In der Tat hier ein schwieriges Problem, das aber nicht so sehr den Sinn des Seins betrifft, sondern die Frage, ob einer überhaupt etwas bestimmen kann, ohne zu sagen, es »ist«. Warum das notwendig? Und warum gleichwohl nicht notwendig, daß Sein als Seiendes verstanden werden muß, wenn ich auch sage, Sein ist ...
2. Kritisch: unter Anwendung von Kritik, d. h. methodischer
Vorsicht. Nicht zulassen beliebig sich andrangende Meinungen
2 [S. Anhang, Beilage 8.]
3 [S. Anhang, Beilage 9 und Beilage 10.]
4 [S. Anhang, Beilage 11.]