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§15. Gott und die Ursache des Übels

durch das, was ursprunglich und eigentlich, primo et proprie wahr ist — Gott. Gott ist einer und einzig, und so ist alles, was wahr, durch eine Wahrheit wahr.

So also Seiendes überhaupt ist, darin liegt: Dinge vorhanden und Menschen als Erkennende da. Bevor das Erkennen des Menschen schon wirklich eine Wahrheit über Dinge sich zugeeignet hat, ist es schon wahr, sofern es als Seinsbestimmtheit zum Seienden — Mensch gehört. Und nur sofern Erkenntnis als Verhaltung des Menschen creatum, sofern ist Angleichung an das gleichfalls geschaffene Sein der Dinge möglich.

Wahres nur durch eine Wahrheit: Gott, so wie durch dieses [?] Seiendes, nur durch das ens realissimum. Gott aber ewig. Ist nun alle geschaffene Wahrheit auch ewig oder nur die Gottes?

Was heißt Ewigkeit, wie wird die Ewigkeit Gottes bewiesen, wie wird Ewigkeit überhaupt bestimmbar?

Sein — Erkenntnis, Urteil, Aussage — Wesen Gottes — Geschaffenes, Natur (Mensch) — Wahrheit.

Bevor Ewigkeit der einen ursprunglichen Wahrheit: Ewigkeit überhaupt.2



§ 15. Gott und die Ursache des Übels


Artikel 8 hier einschieben: Utrum omnis Veritas sit a veritate prima.1 Videtur quod non! Die vorgebrachten Argumente sind am schärfsten und umfassend zusammengefaßt in Argument 8.

Verum est, quod ita se habet, ut videtur. Sed malum aliquod ita se habet ut videtur. Ergo aliquod rnalum est verum. Sed nullum malum est a Deo. Ergo non omne verum est a Deo. Ein Mangel besteht, er ist. Was aber ist und wahr ist (convertitur), das von Gott. Also Gott Ursache des Übels. (Das aber unmöglich; Deus unus, bonus). Dann aber auch nicht alle Wahrheit aus Veritas prima. Hinter dieser Frage verbirgt sich das allgemeine ontologische


2 Artikel 8 vorwegnehmen, weil zu 4 gehörig.

1 [Quaest.disp. de veritate qu. 1, art. 8.]