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§ 43. Grundcharakter der monadologischen Ontologie

in ihrem Positiven, immer vermittelnd, nicht in einer schwächlichen Weise, aber doch so, daß die Fragestellungen stark aus dem Vorgegebenen und je Auftauchenden sich bestimmen und möglichst vollständig aufgerollt werden.

In der Tat ist die Fragestellung durch die Vermittlungstendenz bedingt, und das bringt es mit sich, daß die grundsatzlichen Probleme bei ihm im Grunde immer an zweiter Stelle stehen. Er stößt auf sie im Suchen nach der vermittelnden Einheit, nicht aber dringt er primär und direkt in positiver Fragestellung zum tragenden Grund der Einheit vor. Gemäß der vielfaltigen ontologischen Orientierung sowohl am Sein der Natur als auch dem des Daseins und Lebens sind auch die Wege zur Ausbildung der Monadologie verschieden.


b) Weg zur Monadologie in der Richtung der Ontologie der Natur"


Bei der Darstellung der ontologischen Grundlehren des Descartes wurde ausfuhrlich auf seine Interpretation der res corporea hingewiesen. Deren Wesen sieht Descartes in [der] extensio. Auf sie als das reine mathematische Grundphanomen sollen alle Bestimmtheiten des physischen Dinges zuruckgeleitet werden, und zwar so, daß wir de nullo, nisi locali (motu) cogitamus ac de vi qua excitatur non inquiramus. Grundsatzliche Ausschaltung des Kraftbegriffes aus der Idee der Natur. Genauer: Descartes kennt diesen Begriff noch nicht und macht ihn nicht zum Problem. Vielmehr verstand er unter diesem Titel die qualitates occultae, wahrend Leibniz gerade die Dynamik wissenschaftlich zu begründen und ontologisch zu fundieren versuchte. Hier setzt die Opposition von Leibniz an.

Zuerst hat sich Leibniz über dieses Problem in zwei Abhandlungen geäußert: in den Acta eruditorum 1686 und 95, ferner in seinem Brief über die Frage, ob das Wesen des Korpers in der


3 [Uberschrift von Heidegger.]


Martin Heidegger (GA 23) Geschichte der Philosophie von Thomas von Aquin bis Kant