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Einleitung

Vorlesung zeigen wir gelegentlich der Besprechung der zweiten These, daß die antike sowohl wie die mittelalterliche Ontologie diesen Satz, daß zu jedem Seienden das Was und eine Seinsart, essentia und existentia, gehören, dogmatisch als selbstverständlich ausgesprochen hat. Für uns erhebt sich die Frage: Läßt sich aus dem Sinn des Seins selbst, d. h. temporal begründen, warum jedes Seiende ein Was, ein τί, und eine mögliche Weise zu sein haben muß und haben kann? Gehören diese Bestimmtheiten, Was-sein und Weise-zu-sein, hinreichend weit gefaßt, zum Sein selbst? >Ist< das Sein seinem Wesen nach artikuliert durch diese Bestimmungen? Damit stehen wir vor dem Problem der Grundartikulation des Seins, d. h. vor der Frage nach der notwendigen Zusammengehörigkeit von Was-sein und Weise-zu-sein und der Zugehörigkeit beider in ihrer Einheit zur Idee des Seins überhaupt.

Jedes Seiende hat eine Weise-zu-sein. Die Frage ist, ob diese Weise-zu-sein in allem Seienden denselben Charakter hat - wie die antike Ontologie meinte und im Grunde auch die Folgezeit noch bis heute behaupten muß - oder ob einzelne Seinsweisen unter sich unterschieden sind. Welches sind die Grundweisen des Seins? Gibt es eine Mannigfaltigkeit? Wie ist die Vielfältigkeit der Seinsweisen möglich und aus dem Sinn des Seins überhaupt verständlich? Wie kann trotz der Vielfältigkeit der Seinsweisen von einem einheitlichen Begriff des Seins überhaupt gesprochen werden? Diese Fragen lassen sich zusammenfassen in das Problem der möglichen Modifikationen des Seins und der Einheit seiner Vielfältigkeit.

Jedes Seiende, zu dem wir uns verhalten, läßt sich, unangesehen seiner spezifischen Seinsart, ansprechen und besprechen mit dem >es ist< so und so. Das Sein eines Seienden begegnet uns im Verstehen von Sein. Das Verstehen ist es, das dergleichen wie Sein allererst aufschließt oder, wie wir sagen, erschließt. Sein >gibt es< nur in der spezifischen Erschlossenheit, die das Verstehen von Sein charakterisiert. Die Erschlossenheit von etwas aber nennen wir die Wahrheit. Es ist der

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