§ 5. Der methodische Charakter der Ontologie
Die drei Grundstücke der phänomenologischen Methode
Die konkrete Durchführung der ontologischen Untersuchungen im ersten und zweiten Teil eröffnet uns zugleich einen Blick auf die Art und Weise, wie diese phänomenologischen Untersuchungen vor sich gehen. Das treibt zur Frage nach dem methodischen Charakter der Ontologie. So gelangen wir zum dritten Teil der Vorlesung: Die wissenschaftliche Methode der Ontologie und die Idee der Phänomenologie.
Die Methode der Ontologie, d. h. der Philosophie überhaupt, ist insofern ausgezeichnet, als sie mit keiner Methode irgendeiner anderen Wissenschaft, die alle als positive Wissenschaften vom Seienden handeln, etwas gemein hat. Andererseits zeigt gerade die Analyse des Wahrheitscharakters des Seins, daß audi das Sein gleichsam in einem Seienden, nämlich dem Dasein, gründet. Sein gibt es nur, wenn Seinsverständnis, d. h. Dasein existiert. Dieses Seiende beansprucht demnach in der Problematik der Ontologie einen ausgezeichneten Vorrang. Er bekundet sich in allen Diskussionen der ontologischen Grundprobleme, vor allem in der Fundamentalfrage nach dem Sinn des Seins überhaupt. Deren Ausarbeitung und Beantwortung fordert eine allgemeine Analytik des Daseins. Die Ontologie hat zur Fundamentaldisziplin die Daseins-Analytik. Darin liegt zugleich: Die Ontologie läßt sich selbst nicht rein ontologisch begründen. Ihre eigene Ermöglichung wird auf ein Seiendes, d. h. Ontisches zurückverwiesen: das Dasein. Ontologie hat ein ontisches Fundament, das auch in der bisherigen Geschichte der Philosophie immer wieder durchscheint und sich z. B. darin ausdrückt, daß schon Aristoteles sagte: Die erste Wissenschaft, die Wissenschaft vom Sein, ist Theologie. Die Möglichkeiten und Schicksale der Philosophie sind als Werk der Freiheit des Daseins des Menschen dessen Existenz, d. h. der Zeitlichkeit und damit der Geschichtlichkeit verhaftet, und zwar in einem ursprünglicheren Sinne als jede andere