Wissenschaft. So ist die erste Aufgabe innerhalb der Aufklärung des Wissenschaftscharakters der Ontologie der Nachweis ihres ontischen Fundamentes und die Charakteristik dieser Fundierung.
Das Zweite ist die Kennzeichnung der in der Ontologie als der Wissenschaft vom Sein sich vollziehenden Erkenntnisweise, das besagt die Herausarbeitung der methodischen Strukturen des ontologisch-transzendentalen Unterscheidens. Schon früh in der Antike sah man, daß das Sein und seine Bestimmtheiten dem Seienden in gewisser Weise zugrundeliegen, ihm vorangehen, ein πρότερον, ein Früheres sind. Die terminologische Bezeichnung für diesen Charakter der Vorgängigkeit des Seins vor dem Seienden ist der Ausdruck apriori, Apriorität, das Früher. Das Sein ist als Apriori früher als das Seiende. Bis heute ist der Sinn dieses Apriori, d. h. der Sinn des Früher und seine Möglichkeit nicht aufgeklärt. Es ist nicht einmal danach gefragt, warum die Seinsbestimmungen und das Sein selbst diesen Charakter des Früher haben müssen und wie ein solches Früher möglich ist. Das Früher ist eine Zeitbestimmung, aber eine solche, die nicht in der Zeitordnung der Zeit liegt, die wir mit der Uhr messen, sondern ein Früher, das in die >verkehrte Welt< gehört. Daher wird dieses Früher, das das Sein charakterisiert, vom vulgären Verstände als das Später gefaßt. Die Interpretation des Seins aus der Zeitlichkeit allein kann einsichtig machen, warum und wie mit dem Sein dieser Charakter des Früher, die Apriorität, zusammengeht. Der apriorische Charakter des Seins und aller Seinsstrukturen fordert demgemäß eine bestimmte Zugangsart und Erfassungsweise des Seins: die apriorische Erkenntnis.
Die Grundstücke, die zur apriorischen Erkenntnis gehören, machen das aus, was wir Phänomenologie nennen. Phänomenologie ist der Titel für die Methode der Ontologie, d. h. der wissenschaftlichen Philosophie. Phänomenologie ist, wenn sie sich recht versteht, der Begriff einer Methode. Es ist daher