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Einleitung

irgendein bequemes und leichtes Thema für das Staatsexamen sich zuzueignen oder sich einmal umzusehen, wie es früher gewesen ist, sondern historisch-philosophische Erkenntnis ist in sich eines, wobei die spezifische Art des historischen Erkennens in der Philosophie gemäß ihrem Gegenstande sich von jeder anderen wissenschaftlichen historischen Erkenntnis unterscheidet.

Die so charakterisierte Methode der Ontologie ermöglicht eine Kennzeichnung der Idee der Phänomenologie als des wissenschaftlichen Verfahrens der Philosophie. In eins damit gewinnen wir die Möglichkeit, den Begriff der Philosophie konkreter zu umgrenzen. So führt die Betrachtung des dritten Teiles wieder an den Ausgang der Vorlesung zurück.


§ 6. Der Aufriß der Vorlesung


Der Gedankengang der Vorlesung gliedert sich sonach in drei Teile.

Erster Teil: Phänomenologisch-kritische Diskussion einiger traditioneller Thesen über das Sein.

Zweiter Teil: Die fundamentalontologische Frage nach dem Sinn von Sein überhaupt. Die Grundstrukturen und Grundweisen des Seins.

Dritter Teil: Die wissenschaftliche Methode der Ontologie und die Idee der Phänomenologie.


Der erste Teil zerfällt in vier Kapitel:

1. Die These Kants: Sein ist kein reales Prädikat.

2. Die auf Aristoteles zurückgehende These der mittelalterlichen Ontologie: Zum Sein eines Seienden gehören das Wassein (essentia) und das Vorhandensein (existentia).

3. Die These der neuzeitlichen Ontologie: Die Grundweisen des Seins sind das Sein der Natur (res extensa) und das Sein des Geistes (res cogitans).

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