Nach Thomas ist der ontologische Gottesbeweis deshalb unmöglich, weil wir nicht imstande sind, von uns aus selbst den reinen Begriff Gottes zu exponieren, um daraus die Notwendigkeit seiner Existenz zu erweisen. Wir werden sehen, daß Kant den ontologischen Gottesbeweis an einer anderen Stelle kritisch anfaßt, den eigentlichen Nerv des Beweises angreift und damit den Beweis erst eigentlich aus den Angeln hebt.
Um diese Angriffsstelle der Kantischen Kritik im ontologischen Gottesbeweis deutlicher zu sehen, wollen wir diesen Beweis auf die formale Gestalt eines Schlusses bringen.
Obersatz: Gott ist seinem Begriffe nach das vollkommenste Seiende.
Untersatz: Zum Begriff des vollkommensten Seienden gehört die Existenz.
Schlußsatz: Also existiert Gott.
Kant bestreitet nun weder, daß Gott seinem Begriffe nach das vollkommenste Seiende ist, noch bestreitet er die Existenz Gottes. Auf die Form des Syllogismus gesehen besagt das: Kant läßt den Obersatz und den Schlußsatz des Beweises bestehen. Wenn er den Beweis gleichwohl angreift, kann der Angriff nur den Untersatz treffen, der besagt: Zum Begriff des vollkommensten Seienden gehört die Existenz, das Dasein. Kants These, deren phänomenologische Interpretation wir zum Thema machen, ist nichts anderes als die grundsätzliche Leugnung der Möglichkeit der im Untersatz des ontologischen Gottesbeweises fixierten Aussage. Kants These: Sein bzw. Dasein ist kein reales Prädikat, behauptet nicht nur: Zum Begriff des vollkommensten Seienden könne das Dasein nicht gehören, bzw. wir können es als angehörig nicht erkennen (Thomas), sondern diese These geht weiter. Sie sagt grundsätzlich: Dergleichen wie Dasein und Existenz gehören überhaupt nicht zur Bestimmtheit eines Begriffes.
Es gilt zunächst zu zeigen, wie Kant seine These begründet. Auf diesem Wege wird von selbst deutlich, wie er den Begriff