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Die These Kants

existiert. Sein als Kopula, als Verbindungsbegriff, und Sein im Sinne der Existenz, Dasein, ist demnach zu unterscheiden.

Wie erläutert Kant diesen Unterschied? Wenn Sein bzw. Dasein kein reales Prädikat ist, wie läßt sich Sein positiv bestimmen, und wie unterscheidet sich vom Begriff des Seins überhaupt der Begriff des Daseins, der Vorhandenheit? Kant sagt: »Der Begriff der Position oder Setzung ist völlig einfach und mit dem vom Sein überhaupt einerlei. Nun kann etwas als bloß beziehungsweise gesetzt oder besser bloß die Beziehung (respectus logicus) von etwas als einem Merkmal zu einem Dinge gedacht werden und dann ist das Sein, d. i. die Position dieser Beziehung [A ist B], nichts als der Verbindungsbegriff in einem Urteile. Wird nicht bloß diese Beziehung [d. h. wird Sein und ›ist‹ nicht bloß im Sinne der Kopula, A ist B, gebraucht], sondern die Sache an und vor sich selbst gesetzt betrachtet, so ist dieses Sein so viel als Dasein [d. h. Vorhandensein].«16 Dasein »unterscheidet sich dadurch auch von jeglichem Prädikate, welches als ein solches jederzeit bloß beziehungsweise auf ein ander Ding gesetzt wird«.17 Sein überhaupt ist mit Setzung überhaupt (Position) einerlei. In diesem Sinne spricht Kant von den bloßen Positionen (Realitäten) eines Dinges, die seinen Begriff, d. h. seine Möglichkeit ausmachen und die unter sich nicht widersprechend sein dürfen, sofern das Prinzip des Widerspruchs (Widerspruchslosigkeit) Kriterium der logischen Möglichkeiten ist.18 Jedes Prädikat ist seinem Begriffe nach jederzeit bloß beziehungsweise gesetzt. Wenn ich dagegen sage: Etwas ist da, existiert, so nehme ich in dieser Setzung nicht beziehungsweise Bezug auf irgendein anderes Ding oder eine andere Dingbestimmtheit, auf ein anderes Reales, sondern hier setze ich relationslos die Sache an und für sich selbst, d. h. ich setze hier ohne Relation, nicht relativ, absolut. In der Aussage: A


16 a.a.O., p. 77.

17 Ebd.

18 Kr. d. r. V. B 630.

GA 24