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§ 8. Phänomenologische Analyse

selbst hinsichtlich ihres methodischen Charakters bestimmt und in ihrem Recht und in ihrer Notwendigkeit begründet ist.

Wir sahen, bei der Erfahrung von Existierendem liegt auch eine Synthesis vor, wenngleich nicht die Synthesis der Prädikation, d. h. des Zusatzes eines Prädikates zu einem Subjekt. In der Aussage: A ist B, ist B ein reales Prädikat, zu A hinzugebracht. In der Rede dagegen: A existiert, wird das A, und zwar mit der Gesamtheit seiner realen Bestimmungen, B, C, D usw., absolut gesetzt. Zu A kommt diese Setzung hinzu, aber nicht wie im vorigen Beispiel B zu A hinzugesetzt wird. Was ist diese hinzukommende Position? Offenbar selbst eine Beziehung, jedoch nicht ein Sach- und Realverhältnis innerhalb der realen Bestimmungen der Sache, des A, sondern der Bezug der ganzen Sache (A) zu meinem Gedanken vom Ding. Durch diesen Bezug kommt dieses so Gesetzte zu meinem Ich-Zustand in Beziehung. Da das zunächst nur gedachte A in diesem Denkbezug des bloßen Denkens auch schon zu mir im Bezug steht, wird offenbar dieser bloße Denkbezug, das Nur-Vorstellen von A, durch das Hinzukommen der absoluten Setzung ein anderer. In der absoluten Position wird der Gegenstand des Begriffs, d. h. das ihm entsprechende wirkliche Seiende, als Wirkliches zum nur gedachten Begriff in Beziehung gesetzt.

Existenz, Dasein, drückt sonach ein Verhältnis des Objekts zum Erkenntnisvermögen aus. Kant sagt zu Beginn der Erläuterung der »Postulate des empirischen Denkens überhaupt«: »Die Kategorien der Modalität [Möglichkeit, Wirklichkeit, Notwendigkeit] haben das Besondere an sich: daß sie den Begriff, dem sie als Prädikate beigefügt werden, als Bestimmung des Objekts nicht im mindesten vermehren, sondern nur das Verhältnis [des Objekts] zum Erkenntnisvermögen ausdrücken.«® Reale Prädikate dagegen drücken die der Sache immanenten Sachverhältnisse aus. Möglichkeit drückt das Verhältnis des Objekts mit allen seinen Bestimmungen, d. h. der ganzen Realität, zum Verstand, zum bloßen Denken aus.


« Kr. d. r. V. B 266.


Martin Heidegger (GA 24) Die Grundprobleme der Phänomenologie

GA 24