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These der mittelalterlichen Ontologie

erfaßt und ausdrücklich begriffen ist. Wie ist das genauer zu verstehen? Bevor wir hierauf antworten, müssen wir zeigen, daß wir diesen jetzt aufgewiesenen Verständnishorizont — das her-stellende Dasein - nicht nur aufgrund der Beziehung für das Sein des Seienden auf das Subjekt und auf Gott als Hersteller der Dinge fixierten, sondern daß die ontologischen Grundbestimmungen des Seienden durchgängig diesem Horizont erwachsen. Wir versuchen diesen Nachweis bezüglich der Interpretation der Sachheit, der realitas, wodurch der gemeinsame Ursprung von essentia und existentia deutlich wird.

Das herstellende Verhalten des Daseins charakterisieren wir zunächst nicht näher. Wir suchen lediglich zu zeigen, daß die angeführten Bestimmungen für die Sachheit, für die essentia forma, natura, quod quid erat esse, definitio — im Hinblick auf das Herstellen von etwas gewonnen sind. Das Herstellen steht im leitenden Horizont dieser Interpretation der Washeit. Für diesen Nachweis können wir uns nicht an die mittelalterlichen Termini halten, weil sie nicht original, sondern Übersetzungen antiker Begriffe sind. Wir vermögen nur an diesen die eigentliche Herkunft sichtbar zu machen. Wir müssen dabei alle modernen Interpretationen und Übermalungen dieser antiken Begriffe fernhalten. Den Nachweis des Ursprungs der antiken Hauptbestimmungen für die Sachheit des Seienden aus dem herstellenden Verhalten, aus der herstellenden Seinsauffassung, können wir nur in den Umrissen geben. Gefordert wäre ein Eingehen auf die einzelnen Etappen der Entwicklung der antiken Ontologie bis zu Aristoteles und die Kennzeichnung der Weiterentwicklung der einzelnen Grundbegriffe.

GA 24