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§ 12. Unzureichende Fundierung

ontologisch ursprünglich so zu begründen, daß wir auf die intentionale Struktur des herstellenden Verhaltens zurückgehen. Wir werden analog der Rede gegenüber Kant sagen: Wirklichkeit (existere, esse) ist offenbar nicht identisch mit dem Herstellen und dem Hergestellten, sowenig wie mit dem Wahrnehmen und mit dem Wahrgenommenen. Wirklichkeit ist aber auch nicht identisch mit Wahrgenommenheit, denn Wahrgenommensein ist nur ein Erfassungscharakter des Seienden, nicht die Bestimmung seines Ansichseins. Aber vielleicht ist mit Hergestelltheit ein Charakter gewonnen, der das Ansichsein des Seienden umgrenzt? Denn das Hergestelltsein eines Dinges ist doch die Voraussetzung für seine Erfaßbarkeit im Wahrnehmen. Wenn wir die Erfaßtheit eines Seienden meinen, so verstehen wir dieses Seiende notwendig in einer Beziehung zum erfassenden Subjekt, zum Dasein, allgemein gesprochen, nicht aber das Sein des Seienden an sich selbst vor allem und ohne alles Erfaßtsein. Besteht aber nicht dieselbe Sachlage, wie bezüglich des wahrnehmenden Erfassens, auch hinsichtlich der Hergestelltheit? Liegt nicht auch im herstellenden Verhalten eine Beziehung des Subjekts zum Hergestellten, so daß der Charakter der Hergestelltheit nicht weniger eine subjektive Bezogenheit ausdrückt wie der Charakter der Wahrgenommenheit? Allein, hier ist Vorsicht und Mißtrauen gegen allen sogenannten Scharfsinn geboten, der nur mit sogenannten strengen Begriffen argumentiert, aber gegenüber dem, was mit den Begriffen eigentlich gemeint sein soll, den Phänomenen, mit Blindheit geschlagen ist.

Es liegt im eigenen Richtungs- und Auffassungssinn des herstellenden Verhaltens zu etwas, das, wozu sich herstellendes Verhalten verhält, als etwas zu nehmen, was in und durch das Herstellen als ein Fertiges an sich selbst vorhanden sein soll. Wir kennzeichneten den zum intentionalen Verhalten jeweils gehörigen Richtungssinn als das zur Intentionalität gehörige Seinsverständnis. Im herstellenden Verhalten zu etwas wird das Sein dessen, wozu ich mich herstellend verhalte,


Martin Heidegger (GA 24) Die Grundprobleme der Phänomenologie

GA 24