sofern im Anschauen, im puren Betrachten, das Dasein sich so verhält, daß es Abstand nimmt sogar von allem Hantieren mit dem Seienden, vom Beschäftigtsein mit ihm. Im bloßen Anschauen wird noch mehr jeder Bezug des Subjekts zurückgestellt und das Seiende nicht nur verstanden als Freizugebendes, Herzustellendes, sondern als an sich schon Vorhandenes, von sich selbst her Begegnendes. Daher kommt es, daß seit der Antike bis Kant und Hegel die Anschauung das Ideal der Erkenntnis, d. h. das Ideal der Erfassung von Seiendem überhaupt ist und der Begriff der Wahrheit in der Erkenntnis an der Anschauung orientiert ist. Was Kant anbetrifft, so ist noch zu beachten, daß er gemäß der traditionellen theologischen Fundamentierung der Ontologie das Erkennen an der Idee des schöpferischen Erkennens mißt, das als Erkennen das Erkannte erst setzt, ins Sein bringt und so allererst sein läßt (intellectus archetypus). Eigentliche Wahrheit ist Anschauungswahrheit, intuitive Erfassung.
Im Hinblick auf den Ursprung der antiken Ontologie aus dem herstellenden und anschauenden Verhalten zum Seienden wird noch ein Weiteres einsichtig, was wir kurz berühren wollen. An sich ist es gar nicht selbstverständlich, daß die antike Philosophie im Mittelalter von der christlichen Theologie aufgenommen wird. Faktisch ist denn auch Aristoteles, der seit dem 13. Jahrhundert fortan die christliche Theologie, und nicht nur die katholische, maßgebend bestimmt, erst nach schweren Kämpfen und Auseinandersetzungen in die autoritative Stellung eingerückt, die er seitdem besitzt. Weshalb das aber geschehen konnte, liegt darin begründet, daß für die christliche Weltauffassung gemäß dem Schöpfungsbericht der Genesis alles Seiende, das nicht Gott selbst ist, Geschaffenes ist. Das ist eine selbstverständliche Voraussetzung. Wenn nun auch die Schöpfung aus dem Nichts nicht mit Herstellen von etwas aus einem vorhandenen vorliegenden Material identisch ist, so hat doch dieses Schaffen der Schöpfung den allgemeinen ontologischen Charakter des Herstellens. Die Schöpfung wird