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§ 13. Kantische Auffassung des Problems

b) Kants Auffassung von Ich und Natur (Subjekt und Objekt) und seine Bestimmung der Subjektivität des Subjekts


Wie faßt Kant den Unterschied zwischen Ich und Natur, Subjekt und Objekt? Wie charakterisiert er das Ich, d. h. worin liegt das Wesen der Ichheit ?


a) Die personalitas transcendentalis

Kant hält grundsätzlich an der Bestimmung Descartes' fest. So wesentlich auch Kants Untersuchungen zur ontologischen Interpretation der Subjektivität geworden sind und für immer bleiben, das Ich, das ego, ist für ihn wie für Descartes res cogitans, res, etwas, das denkt, d. h. das vorstellt, wahrnimmt, urteilt, zustimmt, ablehnt, aber auch liebt, haßt, strebt u. dgl. Alle diese Verhaltungen bezeichnet Descartes mit cogitationes. Das Ich ist etwas, das diese cogitationes hat. Cogitare aber ist nach Descartes immer cogito me cogitare. Jedes Vorstellen ist ein ›ich stelle vor‹, jedes Urteilen ist ein ›ich urteile‹, jedes Wollen ein ›ich will‹. Das ›Ich-denke‹, das ›me-cogitare‹, ist jeweils mitvorgestellt, obzwar nicht eigens und ausdrücklich gemeint.

Kant nimmt diese Bestimmung des ego als res cogitans im Sinne des cogito me cogitare auf, nur faßt er sie ontologisch prinzipieller. Er sagt: Das Ich ist das, dessen Bestimmungen die Vorstellungen im vollen Sinne von repraesentatio sind. Wir wissen, Bestimmung ist bei Kant nicht ein beliebiger Begriff und beliebiges Wort, sondern die Übersetzung des Terminus determinatio bzw. realitas. Das Ich ist eine res, deren Realitäten die Vorstellungen, die cogitationes, sind. Diese Bestimmungen habend ist das Ich res cogitans. Bei res muß man nur das verstehen, was der strenge ontologische Begriff meint: Etwas. Diese Bestimmungen aber, determinationes oder realitates, sind in der traditionellen Ontologie - wir erinnern uns an Baumgartens »Metaphysik« § 36 — die notae bzw. die praedicata, die Prädikate der Dinge. Die Vorstellungen

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