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These der neuzeitlichen Ontologie

herausgestellten nicht ohne weiteres deckt, ihr aber zugehört und aus ihr entstammt.

Wir versuchen, uns darüber klar zu werden, daß letztlich das Fundament auch der Kantischen Interpretation der moralischen Person in der antiken-mittelalterlichen Ontologie liegt. Um das zu verstehen, ist es notwendig, die allgemeine Bestimmung der Person als endlicher Substanz zu begreifen und zu bestimmen, was Endlichkeit besagt. Endlichkeit ist die notwendige Angewiesenheit auf Rezeptivität , d. h. die Unmöglichkeit, selbst der Urheber und Hersteller eines anderen Seienden zu sein . Nur was Urheber eines Seienden ist, erkennt dieses in seinem eigentlichen Sein. Das Sein der Dinge ist als Hergestelltsein verstanden. Das liegt bei Kant als selbstverständlich zugrunde, kommt aber explizit nicht zum Ausdruck. Auch die Kantische Interpretation der endlichen Substanzen und ihres Zusammenhanges führt auf denselben ontologischen Horizont zurück, den wir schon bei der Interpretation der οὐσία und aller der Bestimmungen antrafen, die vom Wesen des Seienden gegeben werden. Allerdings fungiert hier das Herstellen in einem anderen Sinne, der mit der genannten Funktion zusammenhängt.

Früher sagten wir, im Herstellen von etwas liegt ein eigentümlicher Entlassungs- und Freigabecharakter, aufgrund dessen das Hergestellte als für sich selbst Gestelltes, Eigenständiges und von sich her Vorhandenes im vorhinein aufgefaßt wird. Aufgefaßt wird es so im Herstellen selbst, nicht erst nach der Herstellung, sondern schon im Bewußtsein vom Projekt. In der jetzt besprochenen Funktion des Herstellens für die Interpretation der Möglichkeit des Erkennens des Seins eines Seienden kommt ein anderes Strukturmoment des Herstellens in Frage, das wir auch schon berührten. Alles Herstellen vollzieht sich nach einem Ur- und Vor-bild. Zum Herstellen gehört das vorgängige Sicheinbilden eines Vorbildes. Wir hörten früher, der Begriff des εἶδος sei wiederum dem Herstellungshorizont

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