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These der neuzeitlichen Ontologie

das wir selbst sind, ist nicht auch vorhanden, etwa in dem Saal hier wie die Bänke, Tische und Tafel, nur mit dem Unterschied, daß das Seiende, das wir selbst sind, um die Beziehung, die es zu anderen Dingen, etwa zum Fenster und der Bank hat, weiß, - daß die Dinge, Stuhl und Bank, nebeneinander sind, daß dagegen Dasein mit der Wand ein solches Nebeneinander ausmacht, daß es um dieses Nebeneinander noch weiß. Dieser Unterschied des Wissens oder Nichtwissens genügt nicht, um die wesenhaft verschiedene Art, in der vorhandene Dinge zusammen vorhanden sind und in der ein Dasein sich zu vorhandenen Dingen verhält, ontologisch eindeutig zu fixieren. Das Dasein ist nicht unter den Dingen auch vorhanden, nur mit dem Unterschied, daß es sie erfaßt, sondern es existiert in der Weise des In-der-Welt-seins, welche Grundbestimmung seiner Existenz die Voraussetzung ist, um überhaupt etwas erfassen zu können. Durch die Schreibweise deuten wir an, daß diese Struktur eine einheitliche ist.

Aber was sind Umwelt und Welt? Die Umwelt ist für jeden in gewisser Weise verschieden, und gleichwohl bewegen wir uns in einer gemeinsamen Welt. Aber mit dieser Feststellung ist über den Begriff der Welt wenig gesagt. Die Aufklärung des Welt-Begriffs ist eine der zentralsten Aufgaben der Philosophie. Der Begriff der Welt bzw. das damit bezeichnete Phänomen ist das, was bisher in der Philosophie überhaupt noch nicht erkannt ist. Sie werden denken, das ist eine kühne und anmaßende Behauptung. Sie werden mir entgegenhalten: Wieso soll die Welt bisher in der Philosophie nicht gesehen sein? Sind nicht schon die Anfänge der antiken Philosophie dadurch bestimmt, daß sie nach der Natur fragen? Und was die Gegenwart anbetrifft, sucht man nicht heute mehr denn je gerade dieses Problem wieder zu fixieren? Haben wir nicht in den bisherigen Erörterungen ständig Wert darauf gelegt zu zeigen, daß die überlieferte Ontologie daraus erwachsen ist, daß sie sich primär und einseitig am Vorhandenen, an der


Martin Heidegger (GA 24) Die Grundprobleme der Phänomenologie