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These der Logik

gedehnt ist, d. h. durch Körperlichkeit bestimmt. In der Orientierung am Satz gesprochen, sind die konkreten Namen das Frühere und die abstrakten das Spätere. Denn, sagt Hobbes, die abstrakten Namen, die das Wassein, die quidditas ausdrükken, könnten nicht sein, wenn es nicht das ›ist‹ der Kopula gäbe. Sie entspringen nach Hobbes aus der Kopula.

Wir müssen die Charakteristik der Kopula festhalten: Sie zeigt den Grund der möglichen identischen Bezogenheit von Subjekt und Prädikat auf dieselbe Sache an. Mit dieser Anzeige des Grundes ist das Wassein der Sache gemeint, und demnach drückt die Kopula, das ›ist‹, das Wassein aus. Hobbes leugnet, daß das ›ist‹ in irgendeinem Sinne etwa das ›existiert‹, das ›ist vorhanden‹ oder dergleichen ausdrückt. Wir werden vor die Frage gestellt, wie die Ausdrucksfunktion der Kopula zum Phänomen bzw. zum Ausdruck des Vorhandenseins, des Existierens, im Zusammenhang mit dem Ausdruck des Wasseins steht.

Die Kopula indiziert den Grund der Beilegung verschiedener Namen zur selben Sache. Diese Bestimmung muß festgehalten werden. Das ›ist‹ sagt: Es besteht ein Grund für diese identifizierende Bezogenheit des Subjekt-Namens und Prädikat-Namens zu einem Ding. Das hat noch weitere Folgen für die genauere Bestimmung der propositio. Wir deuteten schon an, daß in der Aussage ein Wahr- bzw. Falschsein liegt und daß irgendein Zusammenhang zwischen dem Sein im Sinne des ›ist‹ und dem Wahrsein besteht. Es erhebt sich die Frage: Wie faßt Hobbes die zur propositio gehörige veritas bzw. falsitas, Wahrheit und Falschheit? Dieser Zusammenhang, so wie er ihn auffaßt, kündigt sich in folgendem Satz an: Quoniam omnis propositio vera est..., in qua copulantur duo nomina ejusdem rei, falsa autem in qua nomina copulata diversarum rerum sunt,22 jede Aussage ist wahr, in der die Verkoppelung der Namen, Subjekt und Prädikat, sich auf dieselbe Sache


22 a.a.O., cap. V, 2.


Martin Heidegger (GA 24) Die Grundprobleme der Phänomenologie

GA 24