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These der Logik

17. Das Sein als Kopula und das phänomenologische Problem der Aussage


a) Unzureichende Sicherung und Umgrenzung des Phänomens der Aussage


Die Schwierigkeit und Verwickelung des Kopula-Problems liegt nicht daran, daß die Fragestellung überhaupt vom Logos ausgeht, sondern an der unzureichenden Sicherung und Umgrenzung dieses Phänomens des Logos im ganzen. Der Logos wird aufgegriffen, wie er sich zunächst für die vulgäre Erfahrung der Dinge aufdrängt. Eine Aussage gibt sich für den naiven Blick als ein vorhandener Zusammenhang gesprochener vorhandener Worte. Wie Bäume, Häuser, Menschen, so gibt es auch Wörter, die nacheinander aufgereiht sind, in welchem Nacheinander die einen Wörter früher sind als die anderen, wie wir bei Hobbes deutlich sehen. Wenn so ein vorhandener Zusammenhang von Wörtern gegeben ist, entsteht die Frage: Welches ist das die Einheit dieses Zusammenhangs stiftende Band? Es entspringt die Frage nach einer Verbindung, nach einer Kopula. Wir deuteten schon an, daß eine Beschränkung des Problems auf die Aussage als pure Wortfolge faktisch nicht durchführbar ist. Im Grunde ist mit jeder Aussage, auch als pure Wörterfolge aufgefaßt, immer schon solches mitverstanden, was die nominalistische Theorie nicht gelten lassen möchte.

Daß mannigfache Bestimmungen zur Aussage gehören und daß sie nicht nur eine Verlautbarung und Wörterfolge ist, hat sich schon in den Sätzen verraten, die Aristoteles seiner Abhandlung über den Logos vorausschickt. Hiernach ist der Logos nicht nur eine φωνή oder ein phonetisches Ganzes, sondern zugleich durch die Worte auf Bedeutungen bezogen, die im Denken gedacht sind, das zugleich seiende Dinge denkt. Zum vollen Bestand des Logos gehören von vornherein Wort, Bedeutung, Denken, Gedachtes, Seiendes. Was wir hier als


Martin Heidegger (GA 24) Die Grundprobleme der Phänomenologie

GA 24