Wahrsein der sich aussprechenden Aussage aus. Genauer gesprochen, an dieser zuweilen auftretenden Betonung sehen wir lediglich, daß im Grunde in jeder gesprochenen Aussage das Wahrsein der Aussage selbst mitgemeint ist. Es ist kein Zufall, daß Lotze von diesem Phänomen aus zu seiner Theorie der Nebengedanken kam. Die Frage ist, ob man zu dieser Theorie sich positiv stellen muß, - ob es notwendig ist, jede Aussage in ein Doppelurteil aufzulösen, oder ob diese weitere Bedeutung des ›ist‹, das Wahrsein, nicht unmittelbar aus der Idee des Seins begriffen werden kann.
Um das als Problem zu verdeutlichen, müssen wir zuvor fragen: Was besagt dieses Wahrsein der Aussage, das zuweilen im betonten ›ist‹ sich auch in der Weise der Verlautbarung ausdrückt? Wie verhält sich dieses Wahrsein der Aussage zum Sein des Seienden, worüber ausgesagt wird, welches Sein das ›ist‹ im Sinne der Kopula primär meint?
S18. Aussagewahrheit, die Idee der Wahrheit überhaupt und ihre Beziehung zum Begriff des Seins
a) Wahrsein der Aussage als Enthüllen Entdecken und Erschließen als Weisen des Enthüllens
Über das Wahrsein des Logos, der Aussage, haben wir von Aristoteles eine merkwürdige These vernommen, die seitdem in der Tradition festgehalten wird. Danach ist das Wahrsein der Aussage ούκ έν πράγμασιν, nicht unter den Dingen, sondern έν διανοίςι, im Verstände, in intellectu, wie die Scholastik sagt. Ob diese These des Aristoteles zu Recht besteht und in welchem Sinne sie haltbar ist, vermögen wir nur zu entscheiden, wenn wir einen zureichenden Begriff der Wahrheit zuvor gewinnen. Dann läßt sich zeigen, wie die Wahrheit nichts Seiendes ist, das unter anderen vorhandenen Dingen vorkommt. Wenn aber die Wahrheit nicht unter dem Vorhandenen als ein Vorhandenes vorkommt, so ist damit noch nicht