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Ontologische Differenz

Innerzeitigkeit, d. h. von der Frage, wie etwas überhaupt in der Zeit ist, und zweitens von der Aufklärung der Frage, in welcher Weise und wo die Zeit ist, genauer gesprochen, ob die Zeit überhaupt ist und als seiend bezeichnet werden kann.

Sofern für Aristoteles die Zeit etwas an der Bewegung ist und durch die Bewegung gemessen wird, wird es darauf ankommen, die reinste Bewegung zu finden, die die Zeit ursprünglich mißt. Das erste und vorzügliche Maß für alle Bewegung ist die Umdrehimg (κυκλοφορία) des äußersten Himmels. Diese Bewegung ist eine Kreisbewegung. Die Zeit ist so in gewissem Sinne ein Kreis.

Schon aus diesem kurzen Überblick zeigt sich, daß Aristoteles eine Reihe von zentralen Problemen bezüglich der Zeit aufgerollt hat, und zwar nicht wahllos, sondern in ihrer sachlichen Verklammerung. Dennoch ist zu beachten, daß viele Probleme bei ihm nur angerührt sind, - daß auch die ausführlicher behandelten keineswegs einer weiteren Nachforschung und neuer radikaler Problemstellungen unbedürftig sind. Aufs Ganze gesehen sind jedoch bei Aristoteles alle zentralen Zeitprobleme, die im Verlauf der weiteren Entwicklung der Philosophie diskutiert wurden, schon angeschnitten. Man kann sagen, daß die nachkommende Zeit nicht wesentlich über das Stadium der Aristotelischen Problembehandlung hinausgekommen ist - von einigen Ausnahmen bei Augustinus und Kant abgesehen, die dennoch grundsätzlich den Aristotelischen Zeitbegriff festhalten.

β) Auslegung des Aristotelischen Zeitbegriffs

Wir versuchen, nach dieser Übersicht über die Zeitabhandlung ein genaueres Verständnis der Aristotelischen Zeitabhandlung zu gewinnen. Dabei halten wir uns nicht streng an den Text, sondern versuchen mehr in einer freien Erörterung und zuweilen in einer weitergehenden Interpretation das Phänomen nahezubringen, wie Aristoteles es sieht. Wir gehen dabei aus von der schon angeführten Definition der Zeit: τοΰτο γάρ ἔστιν

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