366
Ontologische Differenz

an. Das Jetzt-sagen hat einen anderen Charakter, als wenn ich sage: dieses Fenster. Damit meine ich thematisch dieses Fenster dort, den Gegenstand selbst. Wenn wir, das Jetzt aussprechend, nicht irgendein Vorhandenes ansprechen, sprechen wir dann Seiendes an, das wir selbst sind? Aber ich bin doch nicht das Jetzt? Vielleicht aber doch in gewisser Weise. Das Jetzt-sagen ist kein vergegenständlichendes Ansprechen von etwas, wohl aber ist es ein Aussprechen von etwas. Das Dasein, das je so existiert, daß es sich Zeit nimmt, spricht sich aus. Sich Zeit nehmend spricht es sich so aus, daß es immer Zeit sagt. Wenn ich ›jetzt‹ sage, meine ich nicht das Jetzt als solches, sondern im Jetzt-sagen bin ich flüchtig. Ich bewege mich im Jetzt-Verständnis und bin eigentlich bei dem, wozu die Zeit ist und wofür ich die Zeit bestimme. Wir sagen aber nicht nur ›jetzt‹, sondern ebenso ›dann‹ und ›zuvor‹. Die Zeit ist ständig in der Weise da, daß wir bei allem Planen und Vorsorgen, bei allen Verhaltungen und allem Sicheinrichten uns in der stillschweigenden Rede bewegen: jetzt, erst dann, zuvor, schließlich, damals, vordem usf.

Nun ist genauer zu bestimmen, woher wir eigentlich das nehmen, was wir mit dem Jetzt meinen, ohne daß wir es zum Gegenstande machen. Wenn ich sage: ›dann‹, so heißt das, ich bin in dieser Rede gewärtig einer bestimmten Sache, die von sich aus kommen wird, die geschehen wird, oder ich bin gewärtig dessen, was ich mir zu tun vorgenommen habe. ›Dann‹ kann ich nur sagen, wenn ich irgendeiner Sache gewärtig bin, d. h. nur sofern das Dasein als existierendes gewärtig ist. Mit dem Dann spricht sich ein solches Gewärtigsein bzw. Gewärtigen aus. Es spricht sich so aus, daß es sich selbst nicht eigens meint, aber gleichwohl in diesem Ausdruck des Dann sich selber auslegt. Wenn ich sage ›damals‹, so kann ich dergleichen mit Verständnis nur sagen, wenn ich ein Vormaliges behalte. Es ist nicht notwendig, daß ich mich ausdrücklich daran erinnere, sondern nur, daß ich es irgendwie als Vormaliges behalte. Das Damals ist das Sichaussprechen des Behaltens

GA 24