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Ontologische Differenz

erst das Zeug als Zeug in seinem spezifischen Bewandtnisbezug. Das Bewendenlassen, d. h. das Verständnis von Bewandtnis, das einen Zeuggebrauch überhaupt ermöglicht, ist ein behaltendes Gewärtigen, in welchem das Zeug als dieses bestimmte gegenwärtigt wird. Im gewärtigend-behaltenden Gegenwärtigen begegnet das Zeug, wird anwesend, kommt in eine Gegen-wart herein. Das Gewärtigen des Wozu ist kein Betrachten eines Zwecks, noch gar das Erwarten eines Erfolgs. Das Gewärtigen hat überhaupt nicht den Charakter eines ontischen Erfassens, noch ist das Behalten des Womit ein betrachtendes Sichaufhalten bei etwas. Das wird deutlich, wenn wir uns einen unmittelbaren Zeuggebrauch unkonstruktiv vergegenwärtigen. Wenn ich ganz hingegeben mit etwas beschäftigt bin und dabei irgendein Zeug gebrauche, so bin ich gerade nicht auf das Zeug als solches gerichtet, etwa auf das Handwerkszeug. Ebensowenig bin ich auf das Werk selbst gerichtet, sondern in der Beschäftigung bewege ich mich in den Bewandtnisbezügen als solchen. Im Verstehen derselben halte ich mich beim zuhandenen Zeugzusammenhang auf. Ich stehe weder beim einen noch beim anderen, sondern ich bewege mich im Um-zu. Daher haben wir Umgang mit den Dingen, nicht einen bloßen Zugang auf etwas Vorliegendes, sondern einen Umgang mit den Dingen, sofern sie als Zeug in einem Zeugzusammenhang sich zeigen. Das Bewendenlassen als Verstehen von Bewandtnis ist derjenige Entwurf, der dem Dasein allererst das Licht gibt, in dessen Helle dergleichen wie Zeug begegnet.

Das Bewendenlassen als Verstehen von Bewandtnis hat eine zeitliche Verfassung. Es selbst weist aber in eine noch ursprünglichere Zeitlichkeit zurück. Erst wenn wir die ursprünglichere Zeitigung erfaßt haben, vermögen wir zu überblicken, in welcher Weise das Verstehen von Sein des Seienden, hier des Zeugcharakters und der Zuhandenheit des zuhandenen Zeugs bzw. der Dinglichkeit der vorhandenen Dinge und der


Martin Heidegger (GA 24) Die Grundprobleme der Phänomenologie

Basic Problems of Phenomenology p. 293

GA 24