werden. Aber woher weiß sie, welchen Gegenstand sie sich als den ihres Erkennens nehmen soll?
Die Bemühung um die Möglichkeit des rechten Verstehens des Wesentlichen, bzw. dieses Verstehen hat zum Gegenstand das Sein; dieses ist das Wesentliche. Das darauf gerichtete Verstehen ist insofern das erste, als es das Verstehen dessen ist, was vor allem anderen kommt, was früher, prius, ist denn alles andere, nämlich das einzelne Seiende. Früher als das, einzelne Seiende aber ist das Sein; denn es ist das, was zuvor schon verstanden ist, bevor dergleichen wie Seiendes irgendwo und irgendwie auftauchen kann.
Also: Philosophie ist Wissenschaft vom Sein; sofern sie sich um ein begriffliches Verstehen und Bestimmen müht, um den λόγος des ὂν ᾗ ὄν, ist sie Ontologie. Dieser Begriff ist keine ursprünglich griechische Prägung, sondern tritt erst spät im 17. Jahrhundert ζ. B. bei dem Cartesianer Clauberg auf. Aber mit dieser Kennzeichnung ist wenig gewonnen, solange nicht deutlich gemacht wird, welche inneren Möglichkeiten und Aufgaben in einer solchen Wissenschaft liegen, auf welchen Fundamenten sie gründet.
NB. Philosophie sucht das Sein zu begreifen, nicht dieses oder jenes Seiende. Allein, was meinen wir denn mit Sein im Unterschied vom Seienden? Wie steht es mit dem Sein eines vorhandenen Dinges? Ζ. B. der Stein: bestimmte Farbe, Härte, Glanz, räumliche Gestalt, Schwere, Größe, — das gehört zu ihm als diesem Seienden; all dergleichen ›ist‹ er, er ist so und so. Aber wie steht es mit seinem Sein — seinem Vorhandensein und seinem So-sein? Das Vorhandensein des Steines ist doch an ihm nicht selbst vorhanden, wie diese Farbe, Härte usw. — Dem Stein eignet das, aufgrund dessen ich sage: er ist vorhanden, auch wenn ich ihn nicht gerade betrachte, wenn ich selbst nicht bin. Und das, was ich mit mir selbst meine, ist auch ein Seiendes. Ist das Seiende auch seiend, wenn ich es nicht bin? Offenbar nicht — ›Ich‹ gehöre dazu. Aber es sind nicht zwei — das Seiende eines Steines und des Ich. Wohl aber ist das