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Idee und Funktion einer Fundamentalontologie

Was die Fundamentalontologie angeht, ist vor allem zu beachten, daß gerade die Radikalität und Universalität dieser zentralen Problematik und sie allein dazu führt, einzusehen, daß diese Probleme zwar zentral, aber eben deshalb in ihrer Wesentlichkeit nie die einzigen sind. Anders gesagt: die Fundamentalontologie erschöpft nicht den Begriff der Metaphysik. Da es Sein nur gibt, indem auch schon gerade Seiendes im. Da ist, liegt in der Fundamentalontologie latent die Tendenz, zu einer ursprünglichen metaphysischen Verwandlung, die erst möglich wird, wenn Sein in seiner vollen Problematik verstanden ist. Die innere Notwendigkeit, daß Ontologie dahin zurückschlägt, von wo sie ausgegangen war, kann man am Urphänomen der menschlichen Existenz deutlich machen: daß das Seiende >Mensch< Sein versteht; in dem Verstehen von Sein liegt zugleich der Vollzug des Unterschiedes von Sein und Seiendem; es gibt Sein nur, wenn Dasein Sein versteht. Mit anderen Worten: die Möglichkeit, daß es Sein im Verstehen gibt, hat zur Voraussetzung die faktische Existenz des Daseins, und diese wiederum das faktische Vorhandensein der Natur. Gerade im Horizont des radikal gestellten Seinsproblems zeigt sich, daß all das nur sichtbar ist und als Sein verstanden werden kann, wenn eine mögliche Totalität von Seiendem schon da ist.

Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit einer eigentümlichen Problematik, die nun das Seiende im Ganzen zum Thema hat. Diese neue Fragestellung Hegt im Wesen der Ontologie selbst und ergibt sich aus ihrem Umschlag, ihrer μεταβολή. Diese Problematik bezeichne ich als Metontologie. Und hier im Bezirk des metontologisch-existenzieUen Fragens ist auch der Bezirk der Metaphysik der Existenz (hier erst läßt sich die Frage der Ethik stellen).

Das Seiende haben auch die positiven Wissenschaften zum Thema, aber die Metontologie ist nicht eine summarische Ontik im Sinne einer Allgemeinwissenschaft, die die Ergebnisse der einzelnen Wissenschaften zu einem sogenannten Weltbild


Martin Heidegger (GA 26) Metaphysische Anfangsgründe der Logik im Ausgang von Leibniz

GA 26