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Die Metaphysik des Satzes vom Grunde

1. Zum Wesen der Zeit gehört ihr ekstatischer Charakter.

2. In eins mit dieser ekstatischen Verfassung gehört zur Zeit ihr Horizontcharakter.

3. Die Zeit vergeht weder noch steht sie, sondern sie zeitigt sich. Zeitigung ist das Urphänomen der ›Bewegung‹.

4. Die Zeit ist nicht relativ auf Sinnlichkeit, sondern ursprünglicher als diese wie auch als Geist und Vernunft; wobei freilich der Vernunftbegriff zugrunde gelegt werden muß, den wir aUein kennen, der der endlichen Vernunft.

5. Methodisch ist zu bemerken: die Zeit wird, weil sie den metaphysischen Zusammenhang des Daseins ausmacht, gerade dann nicht faßbar, wenn Dasein in irgendeiner theoretischen Thematisierung angesetzt ist, sei es als psychisches Ganzes, als erkennendes-wollendes Subjekt, als Selbstbewußtsein oder als Einheit von Leib, Seele und Geist. Vielmehr muß die Analytik des Daseins als leitenden Horizont denjenigen wählen, der im faktischen Existieren, vor aller und außer und trotz aller Theorie für das Zu-sich-selbst-sein des Daseins in seinem Mitsein mit Anderen und seinem Verhältnis zum nicht daseinsmäßigen Seienden leitend bleibt.

Die klassische Literatur zum Zeitproblem ist: Aristoteles, »Physik« Δ 10—14; Plotin, »Enneade« III, 7; Augustinus, »Confessiones«, lib. XI; Kant, »Kritik der reinen Vernunft«: transzendentale Ästhetik, transzendentale Deduktion und Schematismuskapitel, Analytik der Grundsätze, Antinomienlehre; Hegel, »Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften « (eine Vorstufe in der »Jenenser Logik«) und »Phänomenologie des Geistes«; Bergson, alle Schriften; Husserl, in den »Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie«, 1. Buch, nur kurze Bemerkungen; vgl. O. Becker, »Beiträge zur phänomenologischen Begründung der Geometrie und ihrer physikalischen Anwendungen« (in: Jahrbuch für Philosophie und phänomenologische Forschung Bd. VI, 1923, S. 385 ff.); und jetzt Husserls »Vorlesungen zur Phänomenologie des inneren Zeitbewußtseins« selbst, die im


Martin Heidegger (GA 26) Metaphysische Anfangsgründe der Logik im Ausgang von Leibniz