VIERTES KAPITEL


Wahrheit — Dasein — Mit-sein


§15. Entdeckendsein beim frühzeitlichen und frühmenschlichen Dasein


Wenn diese These von zentraler Bedeutung ist, dann muß der Grundbestand auch gesichert sein und vor allem in der Tat zutreffen.

Wie aber ist es mit dem Wesen des Daseins beim Kind und in der Frühzeit der Völker bestellt? Die nachfolgenden methodischen Bemerkungen über die Rolle des frühmenschlichen und frühzeitlichen Daseins sind in der grundsätzlich fundamental-ontologischen Interpretation des Daseins zu verstehen, nicht etwa als Anthropologie. Auch ist hier zu scheiden: früh-zeitlich und primitiv sind nicht dasselbe. Ganz irrig wäre es, die heroische Zeit der Griechen mit dem Dasein heutiger Kaffern gleichzustellen.

Zur Frage des vorgeschichtlichen, frühzeitlichen oder frühmenschlichen Daseins ist das Grundsätzliche zu sagen: schlechthin wesensverschieden ist es nicht, wenn anders auch diese als Menschen zu verstehen sind; und das will doch auch und gerade der Einwand sagen: anderes menschliches Dasein. Auch hier geht es um menschliches Dasein. Wenn anders »Dasein« mit Sinn gebraucht wird, dann muß der Wesensbegriff zugrunde liegen. Wenn aber die Stufen und Perioden des Frühstadiums des Menschen, als Kind oder in der vorgeschichtlichen Zeit, andere sind — daß ihnen eine spezifische Helligkeit fehlt, ist kein Mangel —, so erhebt sich die grundsätzliche methodische Frage, wie denn dieses andere Dasein zu fassen sei. Dies geschieht nur auf privative Weise, d.h. ausgehend von einer positiven zugrundeliegenden Auffassung des Daseins, nicht

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