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128 Wahrheit — Dasein — Mit-sein

möglicher Offenbarkeit, das »Da«, in welches hereinstehend auch erst Vorhandenes offenbar wird. Das sich Offenbaren aber geschieht wesenhaft, nicht zuweilen und nachträglich. Dasein ist erschließend, entdeckend und so mit sich bringend mitteilend teilnehmen.

Unverborgenheit gehört nie einem einzelnen als solchem. Als Gemeinsames steht sie gleichsam jedermann öffentlich zur Verfügung; sie muß daher wesentlich von jedem Dasein freigegeben sein. Unverborgenheit von Vorhandenem ist ihrerseits notwendig selbst unverborgen. Da nun aber die Unverborgenheit des Vorhandenen selbst nichts Vorhandenes ist, Unverborgenheit von Vorhandenem aber Entdecktheit genannt wird, kann die Unverborgenheit von Unverborgenheit, sofern sie selbst unverborgen ist, nicht und nie ein Entdecktes sein. Wenn aber die Unverborgenheit des Vorhandenen zum Dasein gehört, so zwar, daß sie selbst unverborgen ist, dann heißt das: Das Dasein ist, sofern es als Dasein existiert, als solches unverborgen. Die Unverborgenheit von Dasein aber nennen wir im Unterschied von der Unverborgenheit des Vorhandenen, der Entdecktheit, die Erschlossenheit.

Dasein als solches ist von sich aus erschlossen. Es wird nicht erst unverborgen dadurch, daß ein anderes Dasein es der Verborgenheit entreißt. Sofern Dasein existiert, hat es sich der Verborgenheit entrissen, bzw. es bringt seine Unverborgenheit gleichsam mit sich.

Bisher wurde bezüglich des Daseins vorwiegend nur das Sein bei Vorhandenem besprochen. Wir müssen versuchen, zunächst auch nur im Blick auf unser Sein bei den Dingen zu sehen, inwiefern das Sein bei Vorhandenem als das, was es ist, notwendig unverborgen ist. Wir halten jetzt gegeneinander: Das Zusammenvorhandensein von Dingen und die Art und Weise des Nebeneinander von Dasein und diesen Dingen. Eine Bank steht neben einem Haus, sie können sogar räumlich eng aneinander grenzen. Die Bank kann, wie wir sagen, das Haus berühren; gleichwohl ist in diesem »Neben·« das Haus nicht und in keiner

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