145
§20. Gemeinschaft auf dem Grunde des Miteinander

die Begründung ist verschieden: Die Menschen brauchen keine, nicht, weil sie nicht hinaus zu gehen brauchen, sondern weil sie wesenhaft schon draußen sind. Diese Begründung aber ist Index einer1 total anderen Wesensbestimmung des Subjekts. Es gilt nicht, den monadologischen Ansatz zu ergänzen und durch Einfühlung zu verbessern, sondern zu radikalisieren.


§ 20. Gemeinschaft auf dem Grunde des Miteinander


Auf dem Grunde des Miteinander wird Gemeinschaft möglich, aber nicht konstituiert erst eine Gemeinschaft von Ichen das Miteinander. »Konstitution« des Miteinander ist zweideutig, wie der Begriff der Konstitution es leicht wird; a) besagt er, wie im Neukantianismus, Aufbau im Sinne des Entstehenlassens aus einfachen, freilich nicht psychologischen Elementen; dann wird er hier zum mindesten sinnlos; b) besagt er aber Nachweis des in sich immer schon ganzen und unzerteilbaren Wesensbaues; dann ist er berechtigt, aber freilich im methodischen Charakter zu begründen. Das Miteinander ist nicht als etwas Elementares herzuleiten, wohl aber muß es hinsichtlich der ihm zugehörigen Wesensbestände, die alle gleichursprünglich sind, aufgehellt werden. Innerhalb dieses Wesensbestandes, der zu jedem einzelnen Dasein gehört, bleibt für »Einfühlung« kein Platz. Denn wenn dieses Wort überhaupt noch einen Sinn haben soll,1 dann nur auf Grund der Voraussetzung, daß eben das »Ich« zunächst in seiner Ichsphäre sein kann und dann von da in den anderen und dessen Sphäre hinein muß. Das »Ich« bricht weder erst aus sich heraus (aus dem Fenster), weil es schon draußen ist, noch bricht es in den anderen hinein, weil es sich mit diesem schon draußen trifft und da gerade, wie sich zeigen läßt, in einem echten Sinne.

Das Miteinander ist also nicht durch die Ich-Du-Beziehung und aus ihr zu erklären, sondern umgekehrt: Diese Ich-DuBeziehung setzt für ihre innere Möglichkeit voraus, daß je schon

GA 27