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§ 41. Zwei Grundmöglichkeiten der Weltanschauung

Möglichkeiten zu deduzieren, sondern aus der Einsicht, daß Dasein, sofern es existiert, je schon in einer Welt ist, ergeben sich geschichtliche Stufen, die sich aus der wesentlichen Geschichtlichkeit des Daseins bestimmen.

Wenn der geschichtliche Charakter zu ihrem Wesen gehört, dann muß auch die Interpretation der Grundmöglichkeiten der Weltanschauung diesem, d.h. den Wesenszusammenhängen der Abfolge und Durchdringungsgesetze Rechnung tragen.3



§ 41. Zwei Grundmöglichkeiten der Weltanschauung


a) Weltanschauung im Mythos: Bergung als Halt im übermächtigen Seienden selbst


Für unsere Zwecke muß es genügen, zwei Grundmöglichkeiten der Weltanschauung aus dem Wesen des Daseins selbst und seinem Geschehen aufzuhellen. Beide sind gleichwohl faktisch nie zu trennen; in der einen wirkt die andere nach, die andere nimmt die eine schon immer vorweg.

Wir sagen: Zum In-der-Welt-sein gehören die Wesenscharaktere des Umwillen seiner selbst und die Geworfenheit. Je weniger das Dasein zunächst durch »Wissen«, Lehren, Technik, Organisation durchsetzt ist, um so unmittelbarer ist das Durchwaltetsein vom Seienden, im Verhalten zu ihm, um so ursprünglicher das Ausgeliefertsein an das Seiende, und das immer im Ganzen der Streuung des Daseins; das heißt aber: Das Seiende offenbart sich zunächst ausschließlich in seiner Übermacht, und zwar durchgängig. Das Dasein geht darin auf, benommen vom Ganzen, nicht nur von den Dingen. Auch die eigene Seele, das eigene Selbst ist gewissermaßen eine fremde Macht, ein Dämon,


3 Wir berühren hier schon Probleme, die uns auf dem dritten Wege begegnen. Ohne daß wir darauf eingehen können, muß daran erinnert werden. Anm. d. Hg.: Der dritte Weg (Philosophie und Geschichte) wurde nicht ausgeführt.


Martin Heidegger (GA 27) Einleitung in die Philosophie

GA 27