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Das Problem der Weltanschauung

Leere des Daseins, sich in sich selbst Halten. 2. In eins damit: Verweisung auf eigene Tätigkeitsmöglichkeit — betonte Verhaltung. Im Offenbarwerden des Nichtmehrdaseins der Haltung liegt die Anweisung auf die Möglichkeit einer ursprünglichen Aneignung derselben. Mit anderen Worten: Aus der Offenbarkeit der Halt-losigkeit als Haltungslosigkeit entspringt eine neue Möglichkeit des Haltnehmens, d.h. des Sichhaltens im In-der-Welt-sein. Halt ist jetzt offenbar als Haltung.



§ 42. Die andere Grundmöglichkeit:
Weltanschauung als Haltung


a) Weltanschauung als Haltung und die aus ihr entspringende Auseinandersetzung mit dem Seienden


Damit stehen wir bei der zweiten, auf die erste wesentlich bezogene und immer bezogen bleibende Grundmöglichkeit der Weltanschauung. Halt als Bergung hat den Halt primär in dem, woran sie sich hält, im Seienden, darin sie geborgen ist; Halt als Haltung hat den Halt primär im Sichhalten selbst. Das Dasein selbst — als solches - läßt den Halt geschehen und sein; aber nun ist nicht etwa das Dasein das Seiende, woran es sich hält, obzwar in dieser Richtung die Hauptmöglichkeit der Entartung der Weltanschauung als Haltung liegt.

Auf die Haltlosigkeit als ursprüngliche Ungeborgenheit ist der erste Halt als Bergung bezogen. Deren notwendige Ausbildung entartet zum Betrieb, der seinerseits — zunächst in der Weise des Scheins (Geschäftigkeit) und des Mangels - die Möglichkeit der Haltung offenbar macht und in eins damit eine neue Halt-losigkeit. Diese ist der Betrieb selbst; bezeichnend ist, daß hier die Haltlosigkeit positiv ausgedrückt ist. Denn je mehr sich das Dasein in seinem Geschehen von dem Eigentlichen entfernt und die »Wahrheit« in ihrem Wie sich wandelt, um so wesentlicher und »freier« wird der Schein. »Betrieb« stellt sich


Martin Heidegger (GA 27) Einleitung in die Philosophie

GA 27