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Das Problem der Weltanschauung

nach dem Verhältnis zweier an sich vorgegebener Größen, sondern — durch die Wesensklärung der Weltanschauung hindurch — das Philosophieren konkreter einleiten und d.h. ein Verstehen desselben im Ganzen gewinnen.

Auf dem ersten Weg ergab sich uns: Philosophieren ist Stellen, Ausbilden und Bewältigung der Seinsfrage; wir haben gleichsam erfahren, was in der Philosophie abgehandelt wird. Jetzt hören wir: Philosophieren ist Weltanschauung als Haltung, d. h. dieses Abhandeln ist nur möglich auf dem Grunde der Weltanschauung als Haltung. Wir hören nichts darüber, von was gehandelt wird, sondern wie dieses Handeln in seinem Vollzug möglich ist, was es in sich zu seinem Vollzug voraussetzt, oder, wenn wir es ganz formalistisch fassen, dürfte man sagen: Auf dem ersten Weg fanden wir den »Inhalt« der Philosophie, das Seinsproblem, jetzt die Form, Weltanschauung als Haltung. Wir machten also nicht Halt bei der Charakterisierung der Philosophie als Stellen der Seinsfrage. Wir gaben ihr eine reichere Bestimmung.

Allein, davon zu schweigen, daß solche Formeln immer dem Verdacht einer voreiligen Gewaltsamkeit unterliegen, wir dürfen nicht vergessen, daß wir sagten, die Wege sollten je für sich zum Ganzen der Philosophie führen; mithin muß auch der zweite Weg uns inhaltlich sagen, was in der Philosophie geschieht. Vor allem aber haben wir schon am Ende des ersten Weges vorgreifend gesagt: Philosophieren ist ausdrückliches Transzendieren. Was das sagt, sollte gerade der zweite Weg aufhellen.

Inwiefern verschafft uns der zweite Weg einen ursprünglichen Einblick in diese Richtung? Schon daß wir bei der Interpretation des Weltphänomens notwendig darauf stießen, die Charakterisierung der Transzendenz, wie sie die ausschließliche Orientierung am Seinsproblem nahelegt, grundsätzlich ursprünglicher zu fassen, deutet darauf hin, daß das Seinsproblem nicht das Ganze der Problematik der Philosophie erschöpft, oder besser gesagt, daß wir das Ganze, das in ihm selbst liegt, noch nicht in seinem vollen Bestände aus ihm entrollt haben.


Martin Heidegger (GA 27) Einleitung in die Philosophie

GA 27