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Zusammenhang von Philosophie und Weltanschauung

über das Phänomen Dargelegte sagt, das Phänomen sei im Grunde auch wie die Sachen und die Dinge. Es ist deshalb eine Oberflächlichkeit, weil der Paragraph, der dort den Begriff des Phänomens und der Phänomenologie entwickelt, ausdrücklich überschrieben ist: Der »Vorbegriff« der Phänomenologie, und weil später eine große Abhandlung über Verstehen als Grundbestimmung der Transzendenz folgt. Der innere Gehalt in der zentralen Bedeutung des Verstehens als Entwurf liegt darin, daß das ursprüngliche Verstehen der Transzendenz als Entwerfen den Charakter der Konstruktion hat. Mit anderen Worten, Philosophieren ist seinem inneren Wesen nach Konstruktion.

Philosophieren ist dieses begreifende, durch Seins- und Weltproblem angezeigte Geschehenlassen der Transzendenz aus ihrem Grunde; Philosophieren ist ausdrückliches Transzendieren. Nun ergab sich, daß das Seinsproblem selbst nur möglich ist auf dem Grunde der Weltanschauung als Haltung; denn nur ein In-der-Welt-sein, das von Grund aus sich bestimmt als Auseinandersetzung mit dem Seienden im Ganzen, kann und muß die Seinsfrage stellen. Zugleich sahen wir: Das Seinsproblem entrollt sich zum Weltproblem. Daran wird nun erst recht offenkundig, daß solche Problematik der Welt selbst nur da möglich ist, wo das In-der-Welt-sein als solches, das Dasein selbst, sich selbst in die Auseinandersetzung mit einbezieht, d. h. in seinem Sein ausdrücklich wird.

Philosophieren als Einheit der Problematik von Sein und Welt, als ausdrückliches Transzendieren, geschieht nur auf dem Grunde der Weltanschauung als Haltung. Philosophieren ist Weltanschauung als Haltung. Aber wir müssen nach dem jetzt Gewonnenen noch wesentlich mehr sagen: Das Philosophieren als ausdrückliches Transzendieren ist ein Geschehenlassen der Transzendenz des Daseins aus ihrem Grunde, d.h. im Philosophieren geschieht die ursprünglichste mögliche Haltung.


Martin Heidegger (GA 27) Einleitung in die Philosophie

GA 27