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Schelling

zu sehen in der Schrift »Von der Weltseele« (1798). Schon dieser Titel kündigt eine Grundstellung an, die mit der Fichteschen zunächst in keiner Weise zusammenzubringen ist, wenngleich Fichte das später versucht hat in einer Weise, die zum Bruch zwischen beiden führte (freilich auch entfernt nicht so begründet in der eigenen Problematik begriffen).

Zumal für Schelling selbst die Ergänzung bald zur Gegenstellung wurde. Das besagt aber: Die Naturphilosophie wurde für ihn zum Zentrum der Philosophie überhaupt, besser, zu dem, was die Philosophie im Ganzen von Grund aus bestimmt.

Hier zunächst nur eine allgemeine Kennzeichnung des Schellingschen Philosophierens im Hinblick auf seine Grundeigentümlichkeit. Wie dadurch, mit Bezug auf die Grundproblematik, ein Wandel eintritt, wie dieser Wandel dann die Hegelsche Fragestellung mitbestimmte. So sehr — neben dem Anstoß Fichtes und der Auswirkung Kants3 — Natur als bestimmte Macht und Kunst als die Grundtendenz schöpferischer Gestaltung die Kräfte waren, so wenig darf man Schelling darauf einschränken und ihn auf eine solche Formel bringen; üblich: Naturphilosophie und Aesthetik. Keines von beiden trifft den Kern seines Wesens und Philosophierens. Obzwar alle drei — Fichte, Schelling, Hegel — von der Theologie herkommen: er am stärksten, so wenig es den Anschein hat (Mythologie, Mythos!). Fichte, Schelling, Hegel: 1. Jeder ist in seiner Weise das Ganze. 2. Jeder ist in seiner Weise eine prinzipielle Begründung.4 — Die Kraft und Zwiespältigkeit innerer Richtungen seiner Existenz gegenüber Fichte und Hegel.


3 Spinozismus, Schelling, Plotin, Romantik.

4 Zur Charakteristik Schellings [vgl. briefliche Äußerungen über ihn bei] Novalis, Fr. Schlegel, Caroline.