§ 20. Die Grundstimmung der Langeweile, ihr Vemältnis zur Zeit und die drei metaphysischen Fragen nach Welt, Endlichkeit, Vereinzelung
Diese tiefe Langeweile ist die Grundstimmung. Wir vertreiben uns, um ihrer Herr zu werden, die Zeit, sofern diese uns in der Langeweile lang wird. Die Zeit wird uns lang. Soll sie denn etwa kurz sein? Wünschen wir uns nicht, jeder von uns, eine recht lange Zeit? Und wenn sie uns lang wird, vertreiben wir sie und dieses Langwerden! Wir wollen keine lange Zeit haben und haben sie doch. Langeweile, lange Zeit – im alemannischen Sprachgebrauch besonders – bedeutet ›Lange Zeit haben‹ nicht zufällig soviel wie ›Heimweh haben‹. Jemand hat Lange-Zeit nach = er hat Heimweh nach. Ist das Zufall? Oder vermögen wir die Weisheit der Sprache nur schwer zU fassen und auszuschöpfen? Tiefe Langeweile – ein Heimweh. Heimweh, ein Heimweh – hörten wir irgendwo – sei das Philosophieren. Langeweile – eine Grundstimmung des Philosophierens. Langeweile – was ist sie?
Langeweile -was immer ihr letztes Wesen sein mag zeigt fast handgreiflich, und besonders in unserem deutschen Wort, ein Verhältnis zur Zeit, eine Art, wie wir zur Zeit stehen, ein Zeitgefühl. Also führt uns die Langeweile und die Frage nach ihr zum Zeitproblem. Wir müssen uns zuvor auf das Problem der Zeit einlassen, um die Langeweile als ein bestimmtes Verhältnis zu ihr zu bestimmen. Oder ist es umgekehrt, führt uns die Langeweile erst zur Zeit, zum Verstehen dessen, wie die Zeit im Grunde des Da-seins schwingt und wir deshalb in unserer gewohnten Oberflächlichkeit allein ›handeln‹ und ›lavieren‹ können? Oder ist gar weder das eine von der Langeweile zur Zeit – noch das andere – von der Zeit zur Langeweile – richtig gefragt?
Aber wir stellen ja doch nicht das Zeitproblem, die Frage, was die Zeit sei, sondern drei ganz andere Fragen: was Welt, Endlichkeit, Vereinzelung sei. In der Richtung und Bahn dieser