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§ 25. Abhebung der zweiten Form der Langeweile

eines, ein gedehntes, das in dieser eigentümlichen Gedehntheit steht. Dieses Stehen des Jetzt und des Währens ist kein bloßes Stehengebliebensein, als würde nun nichts weiter mehr geschehen, als würde dieses gedehnte Jetzt gleichsam verlassen irgendwo herumstehen, sondern dieses gedehnte Jetzt steht in unser Dasein hinein.

Diese stehende Zeit während der Einladung ist es, die wir uns genommen haben und die wir uns nehmen durch das ganz Gegenwartsein. Die Zeit, die wir uns nehmen, sagten wir, sei unsere Zeit. Diese stehende Zeit — das ist unsere abgeriegelte Gewesenheit und unsere abgebundene Zukunft, d. h. unsere ganze Zeit unseres Daseins in einer eigentümlichen Verwandlung. Unsere ganze Zeit ist in dieser verwandelten Form in dieses stehende Jetzt des Während des Abends gedrängt. Diese stehende Zeit — das sind wir selbst, aber unser Selbst als das Zurückgelassene seiner Herkunft und Zukunft. Dieses stehende Jetzt kann uns in seinem Stehen gerade sagen, daß wir es stehengelassen haben, d. h. aber, daß es uns gerade nicht entläßt, sondern uns die Gebundenheit an es aufdrängt. Das stehende Jetzt, das ›Während‹ des Abends, in dem die Einladung währt, kann uns gerade diese Hingehaltenheit, Gebundenheit an unsere Zeit als solche offenbaren. Dieses Nichtentlassensein von unserer Zeit, die von dem stehenden Jetzt her sich uns aufdrängt, ist die Hingehaltenheit an die stehende Zeit, also das gesuchte Strukturmoment des Sichlangweilens bei ... Die stehende Zeit entläßt uns nicht nur nicht, sondern sie zitiert uns gerade, sie stellt uns. Wenn wir so, losgelassen in das Dabeisein, gestellt werden von dem stehenden Jetzt, das unser eigenes, aber aufgegebenes und leeres Selbst ist, langweilen wir uns.