§ 26. Die strukturale Einheit der beiden Strukturmomente
des Sichlangweilens gegründet im gegenwärtigenden
Zum-Stehen-bringen der genommenen Zeit.
Das Entspringen der Langeweile
aus der sich zeitigenden Zeitlichkeit des Daseins
Dieses stehende und uns so stellende (zitierende) Jetzt ist das Langweilende. Wir sagten aber doch, das Langweilende in dieser Langeweile sei das ›ich weiß nicht was‹, das unbestimmte Unbekannte. Ist diese stehende Zeit unbestimmt und unbekannt? Allerdings. Denn die Zeit kennen wir alltäglich gerade als das, was vergeht, fließt. Sie ist geradezu das Urbeispiel des Vergehens und Nichtstehenbleibens. Das Bekannte ist die fließende Zeit. Dieses Bekannte ist für uns auch immer bestimmt und bestimmbar, entweder mit der 'Uhr oder aber jederzeit durch irgendein Vorkommnis: jetzt, da dieser Wagen vorbeifährt, da ich hier spreche. Das stehende Jetzt aber, in der genannten Situation, ist das Unbekannte, und es ist zugleich unbestimmt, und das in einem betonten Sinne. Wir wollen es gar nicht bestimmt haben. Im Dabeisein bei ... achten wir gerade nicht auf die jeweiligen Jetzt während des Abends. Dieses unbestimmte, unbekannte stehende Jetzt kann uns bedrücken in der Weise, daß es uns im Entgleiten zugleich vor sich zitiert, uns stellt, wenngleich so, daß sein Stehen gleichsam stehender, ständiger wird.
Mit Bezug auf das erste Strukturmoment, die Leergelassenheit, ergab sich: Sie besteht in einem Sichbilden der Leere; diese sich bildende Leere ist das Langweilende. Also muß sie identisch sein mit dem jetzt gefundenen unbestimmten Unbekannten, dem stehenden Jetzt. Indem wir uns die Zeit für den Abend lassen, kann sie sich als dieses stehende Jetzt bilden und in ihrer sich bildenden Unbestimmtheit und sich bildenden Unbekanntheit, d. h. in ihrer sich bildenden Leere, uns leerlassen und zugleich im Leerlassen hinhalten.
Diese stehende Zeit während der Einladung ist es, die wir uns genommen haben und die wir uns nehmen durch das ganz Gegenwartsein. Die Zeit, die wir uns nehmen, sagten wir, sei unsere Zeit. Diese stehende Zeit -das ist unsere abgeriegelte Gewesenheit und unsere abgebundene Zukunft, d. h. unsere ganze Zeit unseres Daseins in einer eigentümlichen Verwandlung. Unsere ganze Zeit ist in dieser verwandelten Form in dieses stehende Jetzt des Während des Abends gedrängt. Diese stehende Zeit -das sind wir selbst, aber unser Selbst als das Zurückgelassene seiner Herkunft und Zukunft. Dieses stehende Jetzt kann uns in seinem Stehen gerade sagen, daß wir es stehengelassen haben, d. h. aber, daß es uns gerade nicht entläßt, sondern uns die Gebundenheit an es aufdrängt. Das stehende Jetzt, das ›Während‹ des Abends, in dem die Einladung währt, kann uns gerade diese Hingehaltenheit, Gebundenheit an unsere Zeit als solche offenbaren. Dieses Nichtentlassensein von unserer Zeit, die von dem stehenden Jetzt her sich uns aufdrängt, ist die Hingehaltenheit an die stehende Zeit, also das gesuchte Strukturmoment des Sichlangweilens bei ... Die stehende Zeit entläßt uns nicht nur nicht, sondern sie zitiert uns gerade, sie stellt uns. Wenn wir so, losgelassen in das Dabeisein, gestellt werden von dem stehenden Jetzt, das unser eigenes, aber aufgegebenes und leeres Selbst ist, langweilen wir uns.