Damit zeigt sich, daß es mit der Gegeneinanderabhebung der Formen der Langeweile gar nicht so einfach ist, daß hier merkwürdig verschlungene Perspektiven sich auftun, die wir hier nicht weiter verfolgen. Für uns ist nur soviel deutlich: Es ist unmöglich, ohne weiteres aus dem Nicht-Zeit-haben auf ein ernsteres, tieferes Dasein und aus dem Sich-Zeit-lassen auf ein unernsteres, oberflächliches Dasein zu schließen. Es bleibt dabei, daß das Tieferwerden der Langeweile nur aus der jeweiligen Verfassung der Langeweile selbst abgelesen werden kann.
Wir versuchen jetzt, vorläufig die Momente des Unterschiedes der Tiefe in einzelnen Punkten festzuhalten; vorläufig deshalb, weil wir noch gar nicht sicher sind, ob wir durch das Bisherige schon das volle Wesen der Langeweile durchsichtig .gemacht haben.
Aus der bisherigen Betrachtung ergaben sich für die vergleichende Charakteristik des Unterschiedes der Tiefe sieben Punkte, in denen wir zugleich eine Zusammenfassung der bisherigen Interpretation geben. (Es werden im folgenden die beiden Formen der Langeweile, das Gelangweiltwerden von ... und das Sichlangweilen bei ... , in der Charakteristik der 7 Punkte je mit I. und II. bezeichnet).
1. Im Hinblick auf das Strukturmoment der Leergelassenheit:
In I. lediglich das Ausbleiben der Fülle für eine vorhandene Leere,
in II. das Sich-allererst-bilden der Leere.
2. Im Hinblick auf das Strukturmoment der Hingehaltenheit:
In I. das Aufgehaltensein durch das Zögernde einer irgendwie benötigten Zeit,
in II. das Nicht-entlassen-und Gestellt-sein von der stehenden Zeit als dem zurückgelassenen Selbst.
3. Bezüglich der Situationsbezogenheit der Langeweile:
In I. die Gebundenheit und das Festgeklemmtsein auf die bestimmte, von äußeren Umständen begrenzte Situation,