VIERTES KAPITEL


Die dritte Form der Langeweile:
die tiefe Langeweile als das ›es ist einem langweilig‹



§ 29. Voraussetzungen für das Eindringen in das Wesen
der Langeweile und der Zeit:
das In-Frage-stellen der Auffassung des Menschen als
Bewußtsein, das Sichselbstöffnen der Tiefe des Wesens der
Langeweile


Wir versuchen, nach der Unterbrechung in Kürze den Gesamtzusammenhang der Überlegung wiederzugeben. Wir wollen uns in ein bestimmtes, in wesentlichen, das heißt für uns heute notwendigen Fragen sich bewegendes Philosophieren hineinarbeiten. Das Philosophieren bestimmten wir als begreifendes Fragen aus einer wesenhaften Ergriffenheit des Daseins. Eine solche Ergriffenheit aber ist nur möglich aus und in einer Grundstimmung des Daseins. Diese Grundstimmung selbst kann keine beliebige sein, sondern sie muß unser Dasein im Grunde seines Wesens durchstimmen. Eine solche Grundstimmung ist nicht feststellbar als etwas, worauf wir uns als ein Vorhandenes berufen und worauf wir uns als ein Festes nur stellen, sondern zu wecken, wecken im Sinne des Wachseinlassens. Diese Grundstimmung stimmt nur dann, wenn wir ihr nicht entgegen sind, sondern ihr Raum und Freiheit geben. Freiheit geben wir ihr, wenn wir auf sie im rechten Sinne warten, indem wir gleichsam diese Stimmung kommen und sich uns nähern lassen, wie jedes eigentliche Warten, etwa als menschliches Verhältnis zwischen einem und dem anderen, nicht ein entferntes ist, sondern eine Möglichkeit, in der der eine dem anderen, der auf ihn wartet, näher sein kann, als wenn er unmittelbar in seiner Nähe wäre. Im Sinne dieses