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§ 57. Der Organismus


Sich-zu-eigen-bleibens -bei der Interpretation der Struktur der Fähigkeit gestoßen. In ihr liegt ein gewisses Hin-zu und das sagt, ein triebhaftes Weg-von. Vom Organismus weg — aber so, daß er in diesem Fähigsein zu ... , Weg-von-sich, sich gerade einbehält und seine spezifische Einheit nicht nur wahrt, sondern sie sich allererst gibt. Aber, wird man sagen, der Organismus ist doch nicht diese befähigte Eigentümlichkeit, sondern eine Gebrauchnahme von den Fähigkeiten. Es bleibt nicht und gerade nicht bei den Möglichkeiten, sondern kommt zum Sehen, Hören, Greifen, Jagen, Lauern, Fliehen, Fortpflanzung und dergleichen, also zur Verwirklichung der Fähigkeiten. Die hier liegende Wirklichkeit des wirklichen Tieres wollen wir doch bestimmen, wenn wir — wie das fortlaufend geschieht — betonen, daß es auf die Seinsart des Tieres abgesehen sei.

Doch wir lassen es einmal dahingestellt, ob wir so ohne weiteres das Verhältnis von Fähigkeit und Ausführung dessen, wozu die Fähigkeit eine solche ist, auf das Schema von Möglichkeit und Wirklichkeit bringen können und dürfen.· Am Ende gehört gerade zum Wesen der Wirklichkeit des Tieres das Möglichsein und Können in einem bestimmten Sinne, nicht nur so, daß jedes Wirkliche, sofern es ist, zuvor überhaupt möglich sein muß, nicht diese Möglichkeit — sondern Fähigsein gehört zum Wirklichsein des Tieres, zum Wesen des Lebens. Nur was fähig ist und noch fähig ist, lebt; was nicht mehr fähig ist, ganz abgesehen, ob von der Fähigkeit Gebrauch gemacht wird oder nicht, das lebt nicht mehr. Was überhaupt nicht in der Weise des Fähigseins ist, das kann auch nicht tot sein. Der Stein ist nie tot, weil sein Sein kein Fähigsein ist im Sinne des Dienst-und Triebhaften. ,. Tote Materie« ist ein Unbegriff. Das Fähigsein ist nicht etwa die Möglichkeit des Organismus gegenüber dem Wirklichen, sondern ist ein konstitutives Moment der Art, wie das Tier als solches ist — seines Seins. Dieses alles, was zum Wesen des Seins des Tieres gehört, können und müssen wir befragen nach seiner inneren Möglichkeit, also u. a. auch die innere Möglichkeit der Fähigkeit als


Martin Heidegger (GA 29/30) Die Grundbegriffe der Metaphysik